Kommentar

Beschattungsaffäre bei der CS: Es gibt nur Verlierer

Konzernchef Tidjane Thiam soll auch von der zweiten Beschattung eines Geschäftsleitungsmitglieds nicht gewusst haben. Präsident Urs Rohner stellt sich weiter hinter Thiam.

Andreas Möckli
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Andreas Möckli

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Die Credit Suisse liess gleich zwei hochrangige Manager beschatten. Neben dem Ex-Topmanager Iqbal Khan überwachte die Grossbank auch den damaligen Personalchef Peter Goerke. Dies musste die CS nach einer weiteren Untersuchung eingestehen, nachdem die NZZ die Beschattung von Goerke vergangene Woche enthüllte.

Die Affäre lässt nur Verlierer zurück. Allen voran CS-Präsident Urs Rohner und Konzernchef Tidjane Thiam stehen schlecht da. Zwar versichert die Bank wie bereits nach der nach der Untersuchung des Fall Khans Anfang Oktober, Thiam und seine Mitstreiter in der Geschäftsleitung hätten auch von der Überwachung von Goerke nichts gewusst. Bereits im Oktober kamen erhebliche Zweifel auf, ob diese Version tatsächlich stimmt. Schliesslich wurden beide Beschattungsaktionen von Thiams rechter Hand Pierre-Olivier Bouée in Auftrag gegeben.

Bouée habe schlicht gelogen, sagt die Bank, als er gefragt wurde, ob neben Khan noch andere CS-Manager beschattet wurden. Doch selbst wenn Thiam tatsächlich von Bouée stets im Dunkeln gelassen wurde, stellt sich die Frage nach seiner Verantwortung. Schliesslich wirft es ein schlechtes Licht auf Thiam, wenn er von solch heikle Aktionen nicht Bescheid weiss.

Diese Frage nach der Verantwortung richtet sich vor allem an Urs Rohner. Muss nicht irgendwann auch Thiam zur Rechenschaft gezogen werden für die peinliche Überwachungsaffäre, selbst wenn er wirklich nichts davon wusste? Rohner und die übrigen Verwaltungsräte sagen Nein. Sie sehen sich offenbar auch von den grössten Aktionären der Bank gestützt, die sich stets hinter Thiam stellten.

Ob es tatsächlich reicht, Bouée und seinen Sicherheitschef zu opfern, um die Gemüter zu beruhigen, wird sich zeigen. Klar ist, dass nun nicht nochmals ein solcher Fall ans Tageslicht kommen darf. Ansonsten sind Konsequenzen für die oberste Chefetage unumgänglich.

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