Wucher-Miete für Sozialwohnung
Auch dieser Missbrauch muss bekämpft werden

Die Stadt Dietikon mit der höchsten Sozialhilfe-Quote im Kanton Zürich hat genug: Sie zeigt einen Vermieter an, weil er für eine heruntergekommene Sozialwohnung eine Wucher-Miete verlangt. Das ist richtig. Ein Kommentar.

Bettina Hamilton-Irvine
Bettina Hamilton-Irvine
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Weil sie nichts anderes finden, wohnen Sozialhilfebezüger teilweise in überteuerten, verlotterten Zimmern (Symbolbild).

Weil sie nichts anderes finden, wohnen Sozialhilfebezüger teilweise in überteuerten, verlotterten Zimmern (Symbolbild).

Photocase

Nicht nur in Dietikon ist die Sozialhilfe in jüngster Zeit in Verruf geraten. Steigende Sozialkosten, Kritik an der sogenannten «Sozialindustrie» und nicht zuletzt medienwirksame Einzelfälle wie Hagenbuch haben bei grossen Teilen der Bevölkerung zu einem generellen Unmut gegenüber der Sozialhilfe geführt. In Dietikon ist die Situation besonders delikat: Weil die Stadt einerseits die höchste Sozialhilfequote des Kantons hat und andererseits mit massiven finanziellen Herausforderungen kämpft, ist die Sozialhilfe zu einem beliebten Sündenbock geworden. Wird dann noch, wie 2013 in Berikon, ein spektakulärer Sozialhilfemissbrauchsfall publik, gehen endgültig die Wogen hoch.

Doch Sozialhilfemissbrauch geht längst nicht immer von den Sozialhilfebezügern aus. Die Dietiker Stadtverwaltung hat rund zwölf Immobilienbesitzer im Visier, die offensichtlich ein Geschäft daraus machen, Sozialhilfebezügern verlotterte Zimmer oder Wohnungen zu massiv überteuerten Preisen zu vermieten. Das funktioniert nur deshalb, weil die Mieter – vor allem diejenigen, die arbeitslos sind oder betrieben werden – kaum Chancen haben, anderswo unterzukommen. Für die Vermieter ist das praktisch: Die Sozialhilfebezüger beklagen sich nicht, weil sie froh sind, überhaupt eine Bleibe zu haben, die überrissene Miete muss die Stadt übernehmen.

Doch das Ganze ist ein Missbrauch des Systems. Die Immobilienbesitzer nutzen die Notlage der Sozialhilfebezüger schamlos aus und lassen sich dafür mit den Steuergeldern der Dietiker Bevölkerung bezahlen. Es ist richtig, dass sich die Stadt dies nicht mehr länger gefallen lässt und ein Zeichen setzt, indem sie einen der Vermieter wegen gewerbsmässigem Wucher anzeigt. Denn gegen Missbrauch muss konsequent vorgegangen werden. In jedem Fall.