Agent 007 liest unsere E-Mails

Liest James Bond heute meine E-Mails, meine Facebook-Einträge und lauscht er auch mein Telefon ab? Das ist nach den Enthüllungen über ein gigantisches britisches Schnüffelprogramm nicht abwegig

Werner De Schepper
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De Schepper

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Aargauer Zeitung

Seit 18 Monaten werden vom britischen Geheimdienst unter dem Codenamen «Tempora» via Glasfaserkabel im Meer Millionen von Internet- und Telefondaten abgezapft. Laut Dokumenten des US-Whistleblowers Edward Snowden betrifft der Lauschangriff weite Teile Europas.

In Deutschland reagiert man schockiert. Dass womöglich Millionen Internet-Nutzer in Europa von den Briten systematisch abgehört wurden, bezeichnet Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als «Alptraum à la Hollywood». Die Aufklärung gehöre sofort in die europäischen Institutionen, fordert die stellvertretende FDP-Vorsitzende.

Selbst Bundeskanzlerin Merkel hat etwas gemerkt: «Das Internet ist für uns alle Neuland». In der Schweiz ist es terra incognita. Wir kommentieren lieber, wohin Snowden untertaucht, als die Frage, inwieweit auch unser Datenverkehr betroffen ist. Weder von SP-Justizministerin Simonetta Sommaruga hört man ein Wort, noch vom grünen Datenschützer Hanspeter Thür. Und die FDP bei uns denkt lieber darüber nach, inwieweit man mit der Bankgeheimnis-Initiative von SVP-Banker Thomas Matter Steuersünder länger schonen kann, als unsere Mails vor dreisten Bond-Nachfolgern zu schützen.