Skiing in the USA
Achtung: Bäume bewegen sich nicht

In den USA kann man fast gegen alles klagen. Deshalb versuchen sich die US-Amerikaner davor zu schützen, wie sie nur können. Dieser Wahnsinn erreicht nun ein neues Level, auf den Skipisten in Beaver Creek.

Martin Probst, Beaver Creek
Martin Probst, Beaver Creek
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Beim Skifahren zwischen Bäumen ist höchste Vorsicht geboten.

Beim Skifahren zwischen Bäumen ist höchste Vorsicht geboten.

Keystone

Der Sicherheitswahn in den USA ist kein neues Phänomen. Auf den Kaffeebechern steht, dass sie heiss sein könnten, am offenen Cheminée weist ein Schild darauf hin, dass man sich verbrennen könnte, und im Zimmer misst ein Hightechgerät den Kohlendioxidanteil in der Luft. Der Hintergrund ist immer der gleiche: Nur keine Klagen riskieren. Die Beispiele, wo Kläger vor Gericht für Dummheit recht bekommen haben, ist lang. Darum lieber ein Schild mehr.

Die beste Hinweistafel von Vail steht im Skigebiet. Auf gelbem Grund steht in dicker schwarzer Schrift: «Achtung: Bäume bewegen sich nicht». Wer hätte das gedacht. Die Skipisten in Vail und Beaver Creek schlängeln sich oft durch dicht bewaldetes Gebiet. Der Mensch hat Vortritt, denkt sich da so mancher. Zum Glück korrigiert das Schild den Irrtum. Sonst könnte man ja klagen.

Ein grosser Teil der freiwilligen Helfer an der Ski-WM ist ebenfalls mit dem Verhindern von Klagen beschäftigt. Wer ins Zielstadion will, muss eine flache Skipiste überqueren, wo hin und da ein Skifahrer im gemächlichen Tempo vorbeifährt. Um die immense Gefahr eines Zusammenpralls zu minimieren, stehen vier Helfer mit grossen Schildern in der Hand da. «Go» oder «Stop». Sobald ein Skifahrer nur in der Nähe ist, bricht Hektik aus. «Don’t move», schreien die Männer und Frauen und schwingen ihre Schilder mit dem Stoppzeichen.

Nach den Rennen, wenn die Zuschauer zurück zu den Shuttlebussen gehen und das schneebedeckte Gelände leicht abfällt, sagen zwei Helfer freundlich, aber betont: «Achtung: Es könnte rutschig sein.» Den Satz sagen die beiden so oft, dass er sie in den Träumen verfolgt. Nur wenn mal kein Aufpasser da ist, werden die Amerikaner ob all der Bevormundungen zu Rebellen. Als der Schweizer auf dem Sessellift den Bügel herunterklappen will, ist das Ehepaar Rose und Brendan entsetzt: «Was machen Sie da? Den Bügel lassen wir immer offen.» Weil wer weiss, wenn man rausfällt, könnte man ja klagen.

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