Kommentar

Absage der St.Galler Festspiele: Dieser Entscheid war längst überfällig

In den letzten Wochen wurden in der ganzen Ostschweiz Veranstaltungen abgesagt. Die Organisatoren der St.Galler Festspiele meldeten sich erst heute, sechs Wochen vor der Premiere, zu Wort und verkündeten das Aus für die diesjährigen Vorstellungen.

Julia Nehmiz
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Kulturredaktorin Julia Nehmiz.

Kulturredaktorin Julia Nehmiz.

Bild: Ralph Ribi

Ob die Theatermacher der St.Galler Festspiele ernsthaft bis zuletzt an eine Durchführung geglaubt haben? Schwer vorstellbar. Zu deutlich die Zeichen, dass an eine baldige Rückkehr in einen Vor-Corona-Betrieb nicht zu denken ist. Und zwar noch lange nicht.

Die Pandemie hat den Kulturbetrieb fest im Griff. Und das Theater weiss der Krise nichts entgegenzusetzen. Klar, die Bühne, auf den Live-Moment angewiesen, hat es schwer, sich im Lockdown zu behaupten. Doch das Theater St.Gallen ist wie in Schockstarre. Ein paar nette selbstgedrehte Videos wurden auf die Homepage gestellt. Ansonsten: Funkstille.

Wo bleibt die künstlerische Auseinandersetzung mit der Pandemie? Wo werden die Geschichten der Menschen erzählt, die unter der Krise leiden? Wo werden die gesellschaftlich wichtigen Fragen aufgeworfen? Nicht im Theater. Ein fatales Signal: Sprachlose Künstlerinnen und Künstler. Als wäre die Bühne daran, sich selber abzuschaffen. 

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