Persönlich
Von Statikern und Romantikern

Balz Bruder
Balz Bruder
Merken
Drucken
Teilen
Viele Krane sind dieser Tage aufwendig geschmückt, wie dieses Exemplar aus dem Aargau. (Archiv)

Viele Krane sind dieser Tage aufwendig geschmückt, wie dieses Exemplar aus dem Aargau. (Archiv)

Walter Schwager

Es gibt gewiss Angenehmeres, als eine Baustelle vor dem Haus zu haben. Wenngleich ich zugeben muss, dass der Fortschritt eines Bauwerks eine ganz eigene Faszination ausübt. Item, ich will auf etwas Anderes hinaus. Wenn ich durchs Schlafzimmer-Fenster schaue – durchs eigene, notabene, und von innen nach aussen – sehe ich einen mächtigen Kran. Nun, der ist eine Attraktion an sich. Denn er gehört bestimmt zur grösseren seiner Art in unseren Gemarchungen.

Was ihn in diesen beginnenden Adventstagen aber besonders auszeichnet ist, dass er aufwendig weihnachtlich geschmückt ist. Der Ausleger, also das lange Teil, an dem die Laufkatze hängt – ja, ja, so heisst das in der Fachsprache – ist mit einem riesigen leuchtenden Stern mit Schweif ausgestattet. Und der scheint wunderbar in die Winternacht hinaus. Jedenfalls, wenn der Wind aus der richtigen Richtung weht und die Chose für mich nicht so ungünstig abdreht, dass ich nichts, aber auch gar nichts von der Herrlichkeit sehe. In diesem Fall ziehe ich die Vorhänge, zünde ein bescheidenes Kerzlein auf dem Nachttisch an und hoffe, darauf, dass sich die Weihnachtsstimmung in Schlaf und Traum wieder einstellen möge. Dank einer Baustelle, bei der nicht nur Statiker, sondern auch Romantiker am Werk sind.

balz.bruder@chmedia.ch