Persönlich

Haarspaltereien

Urs Moser
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In Olten gibt es 60 Coiffeursalons; und dies auf keine 20'000 Einwohner. (Symbolbild)

In Olten gibt es 60 Coiffeursalons; und dies auf keine 20'000 Einwohner. (Symbolbild)

Dominique Meienberg / Limmattaler Zeitung

In einer lokalen Facebook-Gruppe fragte neulich eine Dame, wer einen Coiffeur (Coiffeusen sicher mitgemeint) kennt, der Kurzhaarfrisuren schneidet. Gut, das ist per se nichts Aussergewöhnliches, zugegeben. Aber was mich an dem Post irritierte: In unserem Stedtli ist gefühlt jedes zweite Geschäft ein Coiffeursalon. Ich wollte es genauer wissen: Im elektronischen Telefonbuch findet man 60 Einträge von Coiffeurgeschäften. 60 Salons auf keine 20'000 Einwohner: Man kann sagen, die Haarabschneider haben sich bei uns stärker verbreitet als das Coronavirus.

Aber zurück zum Thema: Was mag bei dieser Fülle das Problem der Hilfesuchenden sein, dass sie kein passendes Angebot findet, die Frage lässt mich nicht los. Ein seltener Gendefekt, der die Haare so widerspenstig spriessen lässt, dass nur ganz wenige Spezialisten damit zurechtkommen? Ist sie eine derart schlecht integrierte Neuzuzügerin, dass sie noch keinen Fuss vor die Tür gesetzt hat (nach 50 Metern hätte sie den ersten Salon gesehen, der sicher auch einen Kurzhaarschnitt draufhat)? Dann müsste man ja fast eine Gefährdungsmeldung an die Kesb absetzen.

Oder war das etwa Ironie, eine subversive Anspielung auf den faden Branchenmix im Stedtli? Kann schon sein, wir Oltner sind schliesslich ziemlich clever.

urs.moser@chmedia.ch