Kommentar

Verdichtungs-Stress fängt erst an

Die Bevölkerung im Kanton Zürich wächst auch an den Rändern teils stark an.

Matthias Scharrer
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Verdichtung im Limmattal

Verdichtung im Limmattal

Alex Rudolf

Der Kanton Zürich ist weiter auf Wachstumskurs: Seine Einwohnerzahl stieg letztes Jahr um 18 544 auf 1,482 Millionen Einwohner, wie das Statistische Amt gestern mitteilte. Pikantes Detail: Das Wachstum findet nicht nur in Städten wie Zürich, Winterthur oder in Agglomerationen wie dem Glatt- und Limmattal statt. Sondern auch in ländlichen Gemeinden am Rande des Kantons: Besonders hohe Wachstumsraten verzeichnen Dörfer wie Kappel am Albis, Knonau, Aesch, Hüttikon und Weiach. Das macht stutzig: Sollte nicht Verdichtung in den urbanen Regionen das Ziel sein? So hat es der Kanton bei der Richtplan-Revision 2014 jedenfalls festgelegt.

Die gestern veröffentlichten Zahlen zeigen: Der Weg zu diesem Ziel ist noch weit. Ihn zu begehen, wird nicht einfach. Denn wenn der Zuzug guter Steuerzahler winkt, sagt keine Gemeinde locker Nein. Auch wenn Zersiedelung längst als unsexy gilt: Wachstum ist noch immer sexy. Das zeigt das Beispiel Hüttikon. In der Furttaler 900-Seelen-Gemeinde entstand mal eben ein neues Einfamilienhäuser-Quartier mit 65 Gebäuden. Die Gelegenheit war günstig, erklärt der Gemeindepräsident lapidar.

Wenn der Kanton Zürich es ernst meint mit der Verdichtung und dem Kampf gegen Zersiedelung, müssen er und seine Gemeinden solchen Entwicklungen künftig Einhalt gebieten. Das wird niemandem leicht fallen: Der Kanton wird als Verhinderer einschreiten und die Gemeinden werden Alternativen zum Wachstum in die Breite finden müssen. Der Verdichtungs-Stress fängt erst an.