Kommentar

Den Überblick verloren

Noch mehr als Plakate-Kleber und Facebook-Beauftragte braucht ein Wahlkämpfer gute Berater. Menschen, die ihm ehrlich sagen, wie er wirkt, ob er überzeugt, seine Wähler und – wichtiger – Unentschlossene erreicht, und die ihn vor Fehlern warnen.

Gabriele Heigl
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Ein junger Wahlkampfleiter rührt die Werbetrommel für Adrian Leimgrübler.

Ein junger Wahlkampfleiter rührt die Werbetrommel für Adrian Leimgrübler.

Chris Iseli/ AZ

Mit dem Engagement des Schlieremer Wahlkampfmanagers hat sich Adrian Leimgrübler - schon lange in sehr schwerem Fahrwasser unterwegs - einen Bärendienst erwiesen.

Leimgrübler tritt am 12. Februar als Kandidat bei der Statthalterwahl für den Bezirk Dietikon an. Seine Idee war eigentlich gut: Ich übergebe jemandem die Betreuung der New-Media-Kanäle, weil ich selbst nichts davon verstehe. Nur ist er nicht in professionelle Hände geraten. Der Wahlkampfmanager agiert mit jugendlichem Übereifer und mangelndem Überblick.

In der Endphase vor der Wahl will er noch Merchandising-Shop und Wahlkampf-Song lancieren und postet verwackelte Handy-Filmchen im Netz. Ob die Aktionen Leimgrübler Stimmen bringen können, sei mal dahingestellt. Der Wahlkampfmanager lässt auch jedes politische Gespür vermissen. Ohne Kenntnis der Gegebenheiten verärgerte er mit seinem Alleingang pro Leimgrübler seine Partei, die Jungfreisinnigen, die fortan nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen.

Leimgrübler aber lässt den jungen Mann an der langen Leine laufen, kontrolliert nicht, was drinsteht, wo sein Name draufsteht, und keiner seiner Freunde warnt ihn vor dieser unglückseligen Liaison. Einen guten Berater hätte Leimgrübler aber auch deshalb gebraucht, weil die Wahlkampfmanager-Performance keinerlei Seriosität vermittelt. Schlecht bei einer Kandidatur für ein Amt, dessen Hauptaufgabe die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung ist.