Kommentar

Bürgerliche Rücktritte, linkes Gerangel

Die Ausgangslage zu den Zürcher Stadtratswahlen in einem Jahr klärt sich.

Matthias Scharrer
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Die aktuellen Stadträte der Stadt Zürich

Die aktuellen Stadträte der Stadt Zürich

Stadt Zürich

Die Ausgangslage für die Zürcher Stadtratswahlen in einem Jahr zeichnet sich jetzt ab. Nach Andres Türler (FDP) hat dieser Tage auch Gerold Lauber (CVP) seinen Rückzug aus dem seit 1990 rot-grün dominierten Neunergremium angekündigt.

Die vier SP-Stadtratsmitglieder dürften ebenso wieder antreten wie Richard Wolff (AL) und Daniel Leupi (Grüne) sowie Filippo Leutenegger (FDP). Das bürgerliche Lager wird einmal mehr versuchen, die rot-grüne Dominanz abzuschwächen. Doch CVP und FDP können froh sein, wenn es ihnen gelingt, ihre freiwerdenden Sitze zu verteidigen. Bei der Kleinpartei CVP ist dies von Natur aus alles andere als selbstverständlich. Und die FDP, die erst vor wenigen Jahren einen Stadtratssitz an die AL verlor, weiss seit Leuteneggers Wahl, dass sie nur mit einer weitum bekannten Kandidatur so etwas wie eine Erfolgsgarantie hat. Die SVP wird wohl chancenlos antreten. Sie ist in der unter rot-grün florierenden Stadt Zürich weit entfernt davon, mehrheitsfähig zu sein.

Doch auch im linken Lager können sich längst nicht alle entspannt zurücklehnen und ihre problemlose Wiederwahl erwarten. Vor allem Wolff ist aufgrund seines Verhaltens in der Diskussion ums besetzte Koch-Areal angeschlagen. Und die Grünen drängen darauf, wieder ihren zweiten Stadtratssitz zurückzuerobern – in erster Linie auf Kosten der CVP. Doch ein Verdrängen von Wolff, der die Vorherrschaft der machtgewohnten SP und Grünen im linken Lager ankratzte, käme auch ihnen nicht ungelegen. Nach den bürgerlichen Rücktritten zeichnet sich somit auch ein Gerangel im linken Lager ab.