Gastkommentar

Riehen will nicht warten - oder etwa doch?

Katja Christ und Sandra Bothe-Wenk
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Keystone

Die Haltung des Gemeinderats, was die Bildungspolitik in Riehen betrifft, ist widersprüchlich. Anstatt eine Vorreiterrolle zu übernehmen, zukunftsorientierte Lösungen für die Gestaltung des Übergangs an der Schnittstelle Kindergarten-Primarschule einzuführen, will die Gemeinde eben doch lieber warten bis der Kanton seine gesetzlichen Vorgaben anpasst. Falls dann die Einführungsklasse auf kantonaler Ebene ermöglicht werde, könne man immer noch auf den Zug aufspringen, meint die zuständige Gemeinderätin in der bz vom 24. November. Mutlos wird alternativ Ersatz geplant. Statt eines bedarfsgerechten Konzepts wird lediglich zusätzliches Geld gesprochen. Verkauft wird dies als autonome Entscheidung der Gemeinde.

Katja Christ, Präsidentin und Grossrätin GLP

Katja Christ, Präsidentin und Grossrätin GLP

zvg

Doch der Seitenhieb der zuständigen Gemeinderätin auch an die Grünliberalen, welche die Vorlage zur Überarbeitung an sie zurückweisen wollten, geht nicht auf. Wir wollten zurückweisen, weil wir rasch eine konkretere und bessere Lösung wollten und dazu müssen wir nicht auf die Umsetzung des Kantons warten. Noch mehr Heilpädagogen, Lehrpersonen und Verhaltenstraining in den ersten Primarklassen löst Probleme nur kurzfristig aber ohne Weitsicht. Das Mass ist jetzt schon mehr als voll, der Handlungsbedarf unumstritten. Es gibt aber innovative Projekte, die auch innerhalb bestehender gesetzlicher Vorgaben absolut möglich sind. Man hätte in Riehen die Chance ergreifen und zukunftsträchtige Lösungen erarbeiten können.

Zum Beispiel Konzepte mit kleinen Klassen und flexiblen Anschlussmöglichkeiten oder altersdurchmischten Klassenstufen, die es den Kindern ermöglichen würden, ihr eigenes Tempo zu gehen. Einige könnten früher und andere später in die nächste Schulstufe übertreten, was nicht nur für die entwicklungsverzögerten Kinder, sondern auch für die begabten ein Gewinn auf allen Stufen wäre. Nicht mehr das Alter, sondern der Entwicklungsstand und das Interesse des Kindes sollen entscheidend sein.

Sandra Bothe-Wenk, GLP

Sandra Bothe-Wenk, GLP

zvg

Gerade für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, deren Disposition oft nicht einfach verschwindet, hätten wir uns ein Pilot-Projekt vorstellen können, wo besser auf das individuelle Tempo einzelner eingegangen und auf den Entwicklungsstand im emotional-sozialen Bereich Rücksicht genommen werden kann. Diese Kinder brauchen Beziehung, weniger Wechsel bei den Lehrpersonen, weniger Unruhe, kleine Klassen, kein Hin und Her, Raus und Rein im Klassenzimmer. Der Leidensdruck solcher Kinder ist genauso gross wie die Überlastung derjenigen Lehrpersonen, die diese Kinder unterrichten.

Es ist eigentlich nicht an der Politik, pädagogische Konzepte aufzuzeigen. Aber sie darf erwarten, dass ein Konzept mit neuen Ansätzen daherkommt und nicht lediglich Pflästerlipolitik betrieben wird. Angeboten wurde bloss ein Feuerlöscher, um den Brand in Schach zu halten. Die Grünliberalen haben sich einen weitsichtigen, mutigen Vorschlag gewünscht. Es braucht ein Eingeständnis, dass mit der integrativen Schule gewisse Grenzen nicht vorhergesehen wurden und die ersatzlose Streichung der Einführungsklassen voreilig war. Denn Klassen und Konzepte dieser Art könnten heute Brücken schlagen, um die aufgezeigten Probleme in der Primarstufe und die Herausforderungen an der Schnittstelle Kindergarten-Primarstufe zu lösen.

Die finanziellen Mittel würden besser in ein Konzept fliessen, welches eine Schule aufbaut, die wir wirklich brauchen. Damit diese reif ist für unsere Kinder! Also nicht auf Basel warten wollten wir, sondern das Gegenteil! Mutige Vorreiter wollten wir sein und autonom für die Riehener Schulen entscheiden.