Kommentar

Parkplätze sind Nebenschauplätze

Der Grosse Rat soll sich mal um echte Probleme kümmern, statt ewig die gleichen Diskussionen in der Verkehrspolitik zu führen.

Benjamin Rosch
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Nicht schon wieder! Parkplätze!

Das Nebeneinander von Autos und Velos nimmt so viel Platz ein wie kein anderes Thema in dieser Stadt. Zumindest im Parlament nicht: Ob auch die Bevölkerung diesen ideologisch aufgeladenen, über-emotional geführten Debatten folgen will, sei dahingestellt. Ein Strassenfeger war etwa die Veloring-Initiative trotz nationalem Zugpferd nicht.

Wer jedoch einmal im Grossratssaal sass, gewinnt den Eindruck: Es gibt nichts Wichtigeres in dieser Stadt. In jenen Debatten entlädt sich die ganze Wut, die sich unter den Politikern angestaut hat. Diese lässt die Volksvertreter inzwischen so blind werden, dass sie nicht einsehen: Eine Debatte um die Umgestaltung eines Kreisels und einer Haltestelle ist nicht mehrere Kommissionssitzungen wert; eine Debatte um 15 (!) Parkplätze an der äussersten Peripherie dieser Stadt darf nicht hundert Grossräte über eine Stunde in Beschlag nehmen.

Natürlich liegt eine positive Interpretation nahe: Uns geht es so gut, dass wir uns diese leidige Parkplatz-Diskussion leisten können. Dem ist aber nicht so. In einer grossen Umfrage hat die Bevölkerung die Probleme klar benannt: Wohnungsnot, zu hohe Krankenkassenprämien und die Beziehung zum Landkanton. Doch während die Kommissionen dieser Themen ein Schattendasein fristen, liefern sich bekannte Parteigrössen einen eitlen Kampf auf dem prominentesten Nebenschau-Parkplatz, den diese Stadt zu bieten hat. Weil es auch viel einfacher ist, über ein Parkfeld zu streiten, als Lösungen zu suchen, wie die Lebensqualität aller steigt.