Landblog

Nie mehr ratlos in der Rathausstrasse

Markus Ramseier
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Die Sanierung der Liestaler Rathausstrasse hat begonnen.

Die Sanierung der Liestaler Rathausstrasse hat begonnen.

Kenneth Nars

Das Stedtli Liestal will zur Stadt werden. Dazu lässt es die Rathausstrasse zur urbanen, trottoirlosen Flaniermeile umbauen, trotz pulverdampfigem Protest der Banntägler, die wegen der Baustelle buchstäblich in ein Loch fallen.

Das Motto: Flanierstiefel schnüren, in der autofreien Stille chillen und den unverwechselbaren Stedtliduft einatmen. Um urban zu werden, braucht die Kapitale Kapital, um das Lädeli- und Beizensterben zu stoppen zusätzlich zum Geld auch viel Geist. Alt und Neu zu verbinden, bedeutet: Weg von «mer wäi luege» hin zu «mer packen aa».

Die wie die Basler Freie Strasse abschüssige Rathausstrasse ist ein anspruchsvolles Flaniermeilenpflaster, und wer sich dort setzt, sitzt in der Regel schräg. Aber warum die schräge Strasse nicht für schräge Ideen nützen, etwa als Bühne für den Baselbieter Oberbarden Florian Schneider, der in Vollmondnächten die blutrote Kugel über dem Rathaus beschwören könnte?

Warum nicht die kommunalen und kantonalen Schönredner sich an einem wöchentlichen Polit-Slam vor dem Regierungsgebäude messen lassen? Oder im altehrwürdigen Dichter- und Stadtmuseum vierundzwanzig Stunden nonstop und reihum aus der berühmten Burgunderschale auf die Seelenfreundschaft Liestal–Basel trinken? Ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde wäre der Trinkgemeinschaft sicher.

In den grossen Baselbieter Gemeinden schiessen die Begegnungszonen zwischen Wohn- und Bürotürmen wie Pilze aus dem Boden. Geist ist gefragt, damit der Flaneur oder die Flaneurin in den urbanen Flaniermeilen nicht mutterseelenallein im Durchzug steht.

Das bedeutet Dauerstress für Wirte, KMU und Behörden. Aber es lohnt sich, wenn es im Liestaler Stedtli und andernorts dann plötzlich auch im Sommer inmitten des dicht gedrängten Fussvolks so richtig chienbäselet.