Mein Leben im Dreiland
Kein Entrinnen für Temposünder

Wer im Dreiland geblitzt wird, muss damit rechnen, dass der Bescheid über eine Busse auch über die Grenzen den Weg zu ihm findet. Die Bezahlmöglichkeiten sind vielfältig und auch digital. Informiert aber wird man ganz analog per Brief, der bisweilen zwei Wochen braucht.

Peter Schenk
Peter Schenk
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Der Radar befindet sich links im Hintergrund.

Der Radar befindet sich links im Hintergrund.

Peter Schenk

Es ist ein Super-Tipp. Das Gasthaus «Alte Krone» in Wollbach (D) bei Kandern kocht frisch, regional und gut. Günstig ist es noch dazu: Eine Suppe als Vorspeise, Kalbsinvoltini, Pasta, eine Stange, Mineralwasser und einen Café für 20,10 Euro. Da kann man nicht meckern. Dennoch wurde der kleine Ausflug zum Mittagessen dann doch etwas teurer.

Einen Kilometer vor Wollbach liegt das Dorf Wittlingen - ausgestattet mit einem modernen neuen Radar, den Ortsunkundige leicht übersehen. Der Tacho zeigte vielleicht 64 km/h, als es blitzte. Die Geschwindigkeitsübertretung geschah am 9. Mai. Wochen lang geschah überhaupt nichts. Ob eine Busse überhaupt den Weg nach Basel findet?

Dann lag die Busse doch im Briefkasten

Zu früh gefreut: Am 3. Juni lag eine Verwarnung mit Verwarnungsgeld des Landratsamts Lörrach im Basler Briefkasten. Nach Abzug der Toleranzgrenze blieb innerorts statt den erlaubten 50 km/h eine Geschwindigkeit von 59 km/h. Gekostet hat das gerade mal 15 Euro. Da fragt man sich doch, ob das die Verwaltungskosten deckt? Die Pressestelle des Landratsamts bejaht dies.

Der Brief war datiert vom 20. Mai und zwei Wochen unterwegs. Da ist es ein Glück, dass die deutsche Behörde ausländischen Autofahrern eine Kulanzzeit von vier Wochen für die Zahlung einräumt. Zahlen kann man mit einer Banking-App oder per Überweisung. Angegeben ist nicht nur eine deutsche, sondern auch eine Schweizer Bankverbindung. In Kürze soll man auch mit Visa- oder Mastercard zahlen können. Der Poststempel stammt vom Briefzentrum der Schweizer Post in Zürich Mülligen.

Auch in Frankreich ist es für Temposünder teuer

Ein Entrinnen für Temposünder gibt ist nirgendwo im Dreiland, aber so billig wie in Deutschland ist es nirgends. Geschwindigkeitsübertretungen von 5 bis 10 km/h innerorts kosten in der Schweiz 120 Franken. In Frankreich fallen für das Gleiche 90 Euro an. Wer nach vier Wochen nicht gezahlt hat, erhält eine neue Rechnung über 135 Euro.

An die Daten der fehlbaren Autofahrer kommen die Behörden über den elektronischen Austausch mit den Nachbarländern. Laut französischer Polizei kann man die Busse unkompliziert auf einer gesicherten Internetseite begleichen, auch in Basel gibt es dafür ein Online Bussenportal. Was für ein Anachronismus ist da der analoge dreiseitige Brief aus Lörrach, der zudem ewig unterwegs war. Verschickt werden die Bussen aber auch von Basel mit der guten alten Post.

peter.schenk@bzbasel.ch

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