Kommentar

Eine Chance für die Fasnacht

Jonas Hoskyn
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Ein Morgenstreich im klassischen Sinn dürfte es an der Fasnacht 2021 höchstwahrscheinlich nicht geben. (Symbolbild)

Ein Morgenstreich im klassischen Sinn dürfte es an der Fasnacht 2021 höchstwahrscheinlich nicht geben. (Symbolbild)

Roland Schmid

Der Morgenstreich in der Innenstadt, der Cortège am Montag- und Mittwochnachmittag, die Kinderfasnacht, die Schnitzelbänke in den Beizen, das Guggenkonzert, das Gässle, die nächtlichen Streifzüge durch die Cliquenkeller? Alles gestrichen. Das Fasnachts-Comité macht angesichts der Coronapandemie für die Ausgabe 2021 Tabula rasa. Gesetzt ist einzig das Datum: 22. bis 24. Februar. Alles andere wird nun in den kommenden Monaten und wohl vor allem an den Fasnachtstagen selbst neu ausgelotet.

Während Shoppingcenter, Fussballklubs und Reiseanbieter verzweifelt versuchen, mit Plexiglaswänden, Masken und literweise Desinfektionsmittel eine Normalität in unnormalen Zeiten zu konstruieren, wählt das Fasnachts-Comité einen radikaleren und spannenden Weg. Der offene, basisdemokratische Aufruf an die Fasnächtler beweist Mut. Der Ansatz bietet die Möglichkeit zu Gedankenspielen, neuen Ideen und Formen – allemal spannender als eine allfällige Debatte über Stuhlpflicht am Cortège, virenfreie Zeedel und Spuckschutz bei Piccolos.

Die unfreiwillige Neuausrichtung bietet ein enormes Potenzial – eine Rückbesinnung auf das Wesen der Fasnacht, ohne verkrustete Traditionen, ohne «me het’s scho immer eso gmacht». Der regelmässig beschworenen Kreativität der Fasnächtler sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Im besten Fall wird der Jahrgang 2021 eine kreative, spontane und lebendige Ausgabe, die neue Massstäbe setzt.