Gastkommentar

Der Veloring ist nicht die 25 Millionen Franken wert, die er kostet

Christian Greif ist Geschäftsführer ACS beider Basel. Hier sein Gastkommentar zum zustande gekommenen Referendum gegen den geplanten Veloring

Christian Greif
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Der lila Ring um die Stadt soll Velofahrern sichereres und schnelleres Vorankommen gewährleisten. Grafik Amt für Mobilität

Der lila Ring um die Stadt soll Velofahrern sichereres und schnelleres Vorankommen gewährleisten. Grafik Amt für Mobilität

Das Referendum gegen den geplanten Veloring ist mit fast 3800 Unterschriften zustande gekommen. Deshalb werden die Basler Stimmberechtigten möglicherweise schon im Mai darüber abstimmen können. Und das ist gut so.

Denn die Fragestellungen, um die es geht, sind wesentlich vielschichtiger als dies bz-Kolumnist Daniel Wiener sieht, der die Verbände und Parteien, die das Referendum ergriffen haben, pauschal als «Trittbrettfahrende, aufs Auto fixierte Verkehrsideologen» diffamiert. Würde der Veloring, wie von den Befürwortern behauptet, primär zur Entflechtung beitragen, fernab der Hauptverkehrsachsen geführt werden und andere Verkehrsträger nicht behindern, wäre das Referendum gar nicht ergriffen worden.

Die Realität sieht aber anders aus.

Gemäss Ratschlag ist der Veloring «in Anlehnung an den internationalen Standard ‹Fahrradstrassen›» zu realisieren. Das heisst: Auf allen den Veloring kreuzenden Strassen soll – soweit rechtlich zulässig – kein Rechtsvortritt mehr gelten, sondern Vorfahrt für Fahrräder. Alle anderen müssen warten. Gleiches gilt auch für die Fahrbahn: Auf den Ringstrassen dürfen Velos nebeneinander fahren, und alle anderen Verkehrsmittel müssen sich gedulden, bis sie den Weg freigeben. Zudem gilt generell Tempo 30 auf diesen Strecken.

Somit ist von grosser Relevanz, welche Strassen davon betroffen sind. Im Ratschlag selbst ist nur vermerkt, welche Orte der Veloring verbinden soll, aber nicht, um welche Strassen es konkret geht. Auf Anfrage hat das Bau- und Verkehrsdepartement die entsprechende Liste allerdings zur Verfügung gestellt. Aus dieser wird ersichtlich, dass der Veloring – soweit heute bekannt – über mehrere Hauptverkehrs- und Hauptsammelstrassen geführt werden soll, so unter anderem Strassburgerallee, St. Galler-Ring, Dornacherstrasse oder Hochstrasse, um nur einige zu nennen.

Alle sind sogenannte «verkehrsorientierte Strassen», auf denen Tempo 50 gilt und die gemäss Website des Amts für Mobilität «das Rückgrat für den motorisierten Verkehr» bilden und deshalb für «einen möglichst flüssigen Verkehr» ausgelegt sind. Heute noch. Denn sollte die Idee der Veloring-Initiative Realität und diese Strassen zu «Fahrradstrassen» werden, gälte Tempo 30 und absoluter Velovortritt.

Von Bedeutung ist aber auch die Frage, ob überhaupt Bedarf vorhanden ist für einen Veloring. Die meisten Menschen sind erfahrungsgemäss nicht ziellos unterwegs, sondern wollen von Punkt A nach Punkt B. Um auch nur einigermassen voranzukommen, nehmen motorisierte Verkehrsteilnehmer dafür auch einen Umweg in Kauf.

Velo Fahrende sind da im Vorteil: Die bestehenden Velowege und Velostreifen sowie die fast überall vorhandene Möglichkeit, Einbahnstrassen auch in Gegenrichtung zu befahren, ermöglichen es ihnen, auf Umwegfahrten zu verzichten. Ob ein Veloring, der in den meisten Fällen den genannten Nachteil der längeren Wege mit sich brächte, überhaupt genutzt würde, ist demnach sehr fraglich und mit Sicherheit nicht die 25 Millionen wert, die er kosten soll.