#MaturTortur

Wer ist hier der wahre «Löli»?

Der Weg in die Eigenständigkeit ist lang und anstrengend. Mit dem Auto ist er um einiges einfacher zu absolvieren.

Patrick Züst
Drucken
Teilen
Hier gehts lang!

Hier gehts lang!

Keystone

Der Weg in die Eigenständigkeit ist lang und anstrengend. Mit dem Auto ist er um einiges einfacher zu absolvieren. Besonders bei uns im Freiamt, wo es gefühlt doppelt so viele Traktoren wie Busse gibt, ist der Führerschein enorm wichtig. Und sei es nur, um Frauen zu beeindrucken. Der Weg zum Ausweis soll jetzt aber noch komplizierter werden.

Die Freude ist gross, wenn man nach der theoretischen Fahrprüfung endlich den Lernfahrausweis im Briefkasten hat. Die Freude ist aber noch um einiges grösser, wenn man ihn nach der praktischen Fahrprüfung endlich wieder abgeben kann.

Damit es so weit kommt, braucht es viel Geduld, Geld und auch einiges Glück. Denn für die meisten Jugendlichen ist die praktische Fahrprüfung keine Kür, sondern viel eher Willkür.

Zu keinem anderen Thema werden einem im Vorfeld so viele Mythen und Geschichten erzählt. Von fixen Durchfallquoten, von irreführenden Anweisungen, von nicht begründeten und auf Sympathie beruhenden Wertungen.

Ich selbst habe meinen Lernfahrausweis am Tag meines achtzehnten Geburtstags erhalten. Die praktische Prüfung habe ich dann fünf Monate später gemacht. Wenn es nach dem Bund geht, soll das bald nicht mehr möglich sein.

Die Forderung, dass man mindestens ein Jahr mit dem blauen «L» fahren muss, bevor man sich zur Prüfung anmelden kann, hat unter Jugendlichen in der vergangenen Woche für viel Aufregung gesorgt.

Damit will man einerseits verhindern, dass sich Fahrschüler zu früh zur praktischen Prüfung anmelden, andererseits auch sichergehen, dass sie genügend Zeit haben, um Erfahrungen im Strassenverkehr zu sammeln.

Nothelferkurs, Theorieprüfung, acht Stunden Verkehrskundeunterricht, durchschnittlich 15–30 Fahrstunden, praktische Fahrprüfung, dreijährige Probezeit, zweitägige 2-Phasen-Ausbildung. All das gehört bereits heute zu einer Fahrausbildung. All das kostet nicht nur viel Geld, sondern auch viel Zeit. Die vom Bund vorgeschlagenen Massnahmen ziehen diesen ganzen Prozess nur unnötig in die Länge.

Schon jetzt ist es ein sehr mühsamer und teurer Weg, den man für den Führerausweis gehen muss. Diesen Weg noch künstlich zu verlängern, macht keinen Sinn.

Die Fahrausbildung, wie wir sie heute absolvieren, garantiert zusammen mit der strengen praktischen Fahrprüfung, dass wir Neulenker unserem Ruf als schlechte Autofahrer nicht gerecht werden. Wer das nicht anerkennt, ist der wahre «Löli».

Patrick Züst (18) ist freier Mitarbeiter der Aargauer Zeitung und absolviert sein letztes Schuljahr an der Kanti Wohlen.