Kommentar

Vorsicht vor dem nuklearen Kater

Samuel Schumacher
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Gelbe Schutzanzüge und Luftfiltermasken: Mitarbeitende des Kernkraftwerks Mühleberg bringen den Reaktor ein letztes Mal auf Hochtouren.

Gelbe Schutzanzüge und Luftfiltermasken: Mitarbeitende des Kernkraftwerks Mühleberg bringen den Reaktor ein letztes Mal auf Hochtouren.

KEYSTONE

Sind wir eigentlich nicht mehr bei Trost? Die Frage drängt sich auf, wenn man sich die Kernkraft-Statistiken der vergangenen Jahre anschaut. Die ganze Welt – inklusive der Grossmächte China, Russland und Amerika – arbeitet an innovativen Kernkraftkonzepten, bastelt schwimmende Reaktoren und setzt auf die nukleare Karte. Und wir Schweizer? Wir bereiten lieber den vorzeitigen Abgang aus dem atomaren Zeitalter vor. Bis spätestens 2034 stellen wir unsere Kernkraftwerke ab.

Selber schuld, wer die Party zu früh verlässt und dem Atomstrom den Rücken kehrt, könnte man sagen. Doch für einmal täuscht sich die Mehrheit der Feiernden. Es ist höchste Zeit, die nukleare Party zu verlassen und sich zu fragen, wie wir den übel strahlenden Kater loswerden, den wir uns während Jahrzehnten der unbekümmerten Energieproduktion aufgeladen haben. Wohin die ganzen atomaren Abfälle sollen, die sich auf der Welt Tag für Tag anhäufen, ist unklar. Nur gerade Finnland baut an einem Endlager. Überall sonst gibt man sich mit Zwischenlösungen zufrieden.

Dass das auf Dauer nicht gut geht, hat die Schweiz erkannt. Mit Hochdruck sucht der Bund nach einem geeigneten Ort für ein atomares Endlager. Dass sich die möglichen Standortregionen fürs Erste dagegen wehren, ist verständlich. Die Debatte über mögliche Entschädigungen für Tiefenlager-Gegenden aber ist lanciert. Je intensiver wir sie führen, umso schneller verschwinden auch die Nachwirkungen der Atom-Party. Einfach immer weiterfeiern, wie das die Atom-Fans tun, ist hochriskant und hilft nicht gegen den nuklearen Kater.