Maturtortur
Vom Badisport zum Partysport

Alles dreht sich. Samstagabend, wir feiern unsere Ferien – die letzten an der Kantonsschule. Die Musik ist laut, der Bass hart, das Licht grell. Wir trinken, toben, tanzen.

Patrick Züst
Patrick Züst
Drucken
Teilen
Tischtennis: Gefordert sind Schnelligkeit, Taktik, Reaktion und Ausdauer.

Tischtennis: Gefordert sind Schnelligkeit, Taktik, Reaktion und Ausdauer.

Keystone

Aber vor allem spielen wir Tischtennis: Rundlauf! Zwei Tische stehen mitten auf der Tanzfläche, geschätzte hundert Leute spielen mit. Das Pausenplatzspiel hat es in den Nachtclub geschafft.

Tischtennis ist meine Sportart – schon seit Jahren. Gefordert sind Schnelligkeit, Taktik, Reaktion und Ausdauer. Genau das versuche ich jeweils auch meinen Kollegen klarzumachen, wenn sie wieder mal über meinen «Badisport» herziehen. Tischtennis hat mich schon in Keller, Mehrzwecksäle und Bunker, nach Belgien, Frankreich und Deutschland getrieben. Aber am letzten Samstag führte es mich das erste Mal an eine Party.

Das KiFF Aarau verwandelte sich nämlich für einen Abend vom Nachtclub zum Tischtennisclub. In den vergangenen Monaten hat sich der Trend von lockeren und gemütlichen «PingPongPartys» in der Schweiz immer stärker etabliert. Jetzt hat die Idee ihren Weg endlich auch in den Aargau gefunden.

Ich bin im Final. Mir gegenüber steht mein Kollege Felix. Wir trainieren seit Jahren zusammen, standen uns schon bei nationalen Turnieren gegenüber, kämpften diese Saison gemeinsam in der 1. Liga. Aber unter solchen Voraussetzungen wie am vergangenen Samstag haben wir noch nie gespielt: Es ist dunkel, Rauch und Rum vernebeln die Sicht.

Natürlich spielen wir nicht richtig – wir wollen uns ja nicht als Tischtennisspieler outen. Vorsichtig schieben wir den Ball hin und her. Am Schluss setzt sich Felix durch, meine Rückhand ist zu lang. Ich ärgere mich, werde aber umgehend getröstet. Eine junge Frau tippt mir auf die Schulter und sagt: «Hey, hättest du ein bisschen trainiert, hättest du ihn sicher fertiggemacht!» Ich lache und hoffe, dass sie recht hat.

Die neuen «PingPongPartys» sind sympathisch. Zwar wird dem Tischtennissport wohl dadurch auch nicht mehr Aufmerksamkeit zuteil, zumindest aber wandelt er sich langsam vom «Badisport» zum «Partysport». Und das ist doch schon mal etwas. Ich nehme einen Schluck, reihe mich wieder zwischen die Hobbyspieler ein und bereite mich mental auf die nächste Runde vor. Denn eine Niederlage gegen meinen Trainingspartner will ich nicht auf mir sitzen lassen – weder in der Turnhalle noch im Club.

Aktuelle Nachrichten