Sprachriff
So ein Chabis

Janine Gloor
Janine Gloor
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Joel Basman spielt im Film Mordechai «Motti» Wolkenbruch.

Joel Basman spielt im Film Mordechai «Motti» Wolkenbruch.

dcm

Dank des Kinohits um den jüdischen Jungen Motti Wolkenbruch ist eine Sprache in die Ohren vieler Schweizerinnen und Schweizer gedrungen, die sie sonst nie hören: Jiddisch. Sie klingt gleichermassen fremd und vertraut. Ist sie doch eng mit dem Deutschen verwandt. Vor ungefähr tausend Jahren entwickelte sich das Jiddische als eine von Juden gesprochene Variante des Deutschen. Dieses sprachliche Erbe ist den westjiddischen Dialekten, die in der Schweiz verbreitet sind, immer noch anzumerken. Auch die Grammatik basiert grundsätzlich auf derjenigen des Deutschen, hat aber hebräische und slawische Einflüsse erlebt. Alles in allem kann höchst sprachunwissenschaftlich gesagt werden, dass das Jiddische aussieht und klingt wie ein sehr spezielles Deutsch.

Die Figuren im Film brauchen deutsche Wörter, die wir zwar verstehen, aber nicht gleich verwenden. Zum Beispiel die Mutter, die bei jedem Gefühlsausbruch voller Inbrunst ein «gewaltig» zum Besten gibt. Umgekehrt hat das Jiddische mit Wörtern wie Schlamassel, Knast oder Kaff längst Einzug in das Deutsche gehalten. Und vielleicht stammt auch der Chabis, den man nicht reden soll, aus dem Jiddischen. Dort gibt es nämlich den Ausdruck «Kohl reden». Dieser kommt zwar vom hebräischen Wort qôl, das Gerücht bedeutet, aber gemäss Duden schon früh an den grünen Kohl angelehnt war.