Kolumne «In der Altstadt»

Kolumne «In der Altstadt»: Habt doch einfach wieder einmal Sex und atmet das Marihuana tief ein!

Dara Masi ist Co-Moderatorin der Morgenshow von Radio Argovia. In ihrer Kolumne schreibt sie über den Bus-Verkehr in der Aarauer Altstadt – und warum er sie nicht stört. Und: Sie hat einen Rat für alle Menschen, die sich doch allzu gerne aufregen.

Dara Masi
Drucken
Teilen
Dara Masi ist Co-Moderatorin der Morgenshow von Radio Argovia.

Dara Masi ist Co-Moderatorin der Morgenshow von Radio Argovia.

facebook.com

Kaum ist der Frühling da, blüht auch das Thema «Bus in der Altstadt» wieder auf. Die Beizen haben ihre Stühle raus gestellt, die Leute in der Aarauer Altstadt schlendern gemütlich von Schaufenster zu Schaufenster. Und es braucht Platz für Busse, die hin und wieder ihren Weg durch die schlendernden Menschengruppen suchen.

Für Diskussion hat dieses Thema schon einige Male gesorgt. Als Bewohnerin der Aarauer Altstadt hatte auch ich schon einen Brief im Briefkasten, in dem ich gebeten wurde, mit in den Kampf gegen diese bösen Busse zu ziehen. Kurz habe ich mir damals überlegt, ob mich die Busse denn stören. Ja, vielleicht gab es schon den ein oder anderen Moment, in dem ich leise vor mich hin fluchte «Muesch du jetzt au no cho?!» Das lag allerdings weniger am Bus, als vielmehr an meiner Verfassung nach dem Frühdienst und meinem zu diesem Zeitpunkt eher begrenzten Bedürfnis nach Begegnungen – sei es mit Menschen oder mit Fahrzeugen.

Die Momente, in denen ich froh war, keinen Sprint zur nächsten Haltestelle zum Kunsthaus oder sogar zum Bahnhof hinlegen zu müssen, häufen sich da schon eher. Ich fahre nicht sehr oft Bus, aber wenn, dann bin ich meistens dankbar, dass der Bus die Rathausgasse entlang fährt und ich gemütlich beim Holzmarkt einsteigen kann. Vier Minuten zu Fuss von meiner Haustüre aus, für die einen perfekt, um eine zu rauchen, für mich gerade Zeit genug um meine Mails und Whatsapp-Nachrichten zu checken, meine Kopfhörer zu entwirren und das Münz für das Busbillett zusammenzukratzen.

Dara Masi, Moderatorin Radio Argovia Die 23-Jährige ist aufgewachsen in Suhr, wohnt jetzt in Aarau und ist Co-Moderatorin der Morgenshow von Radio Argovia.

Dara Masi, Moderatorin Radio Argovia Die 23-Jährige ist aufgewachsen in Suhr, wohnt jetzt in Aarau und ist Co-Moderatorin der Morgenshow von Radio Argovia.

AZ

Mit dieser «Pro-Bus-Haltung» stehe ich allerdings ziemlich alleine da. Als ich in meinem Umfeld erzählt habe, ich würde da etwas über diesen Bus in der Aarauer Altstadt schreiben, kam jedes Mal die gleiche Reaktion: «Ach ja, der nervt mich auch voll!» Vor allem andere Altstadtbewohner zählen sich zu den wahren Bus-Hatern.

Ihnen ist der Bus viel zu laut – ich bin froh, wenn ich ihn kommen höre.
Sie finden den Bus zu gross und zu hässlich – seit ich auf den Bahamas Bus gefahren bin, finde ich, unsere Busse lassen sich wirklich sehen.

Den Bus aus der Altstadt zu verbannen ist ihre grosse Mission – haben wir wirklich keine wichtigeren Probleme?

Leute in meiner Nachbarschaft zum Beispiel regen sich auf, wenn auf dem Spielplatz vis-à-vis gekifft wird und wenn der Typ von oben wieder einmal wie ein Elefant die Treppen hoch trampelt... Samstagnachts ... und dann hat der auch noch Sex!!! Genau diese Leute sitzen am Sonntagvormittag vor einem der Aarauer Cafés und regen sich eben auch über den Bus in der Altstadt auf. Sie regen sich einfach gerne auf. Und genau diesen Leuten würde ich am liebsten sagen: Habt doch einfach auch wieder einmal Sex! Macht die Fenster mal weit auf und atmet das Marihuana tief ein! Vielleicht ist dann der Bus, der vorbeifährt nur noch halb so laut und halb so störend.

Es gibt Leute, die jammern, weil Aarau zu wenig bietet. Keinen richtigen Club mehr, zu wenig Action, zu wenig Programm für uns Junge. Die Lokale schliessen zu früh. «Es lauft eifach nüt, Mann!»

Ganz ehrlich: Das finde ich auch. Es gibt Abende, da schlendere auch ich durch die Altstadt. Dann fühle ich mich manchmal wie Will Smith in «I Am Legend». Ohne den Hund. Keine Sau in dieser Stadt!

Aber dann denke ich mir einfach: Hey... wenigstens fährt da noch der Bus!