Gülshas Kolumne
Kaffee und Kate

Gülsha Adilji
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Gülsha Adilji: «Diese Kate ist einfach alles, was eine Frau im 21. Jahrhundert so sein muss: Eine sympathische Allrounderin, die trotz zwei Kindern nicht zum Mameli geworden ist und souverän die perfekte Clutch zu den passenden Schuhen trägt.» (Archivbild)

Gülsha Adilji: «Diese Kate ist einfach alles, was eine Frau im 21. Jahrhundert so sein muss: Eine sympathische Allrounderin, die trotz zwei Kindern nicht zum Mameli geworden ist und souverän die perfekte Clutch zu den passenden Schuhen trägt.» (Archivbild)

Keystone

Schlechten Kaffee trinkend sass ich letzte Woche in einer Zürcher Café-Bar, die berühmt ist für ihren speziell guten Kaffee, und blätterte durch ein Klatschheftchen. Zum grossen Glück liegen hier die guten Magazine herum, für die man einen schlechten Kaffee in Kauf nimmt, damit man sie heimlich lesen kann. So wurde ich über die Lombardi-Scheidung upgedatet und schweifte halbherzig über die Diät-Tipps von Jennifer Lopez. Hängen blieb auf der Seite, auf der mich Herzogin Kate mit dem Titel «Neue Haarfarbe im neuen Jahr» anlächelte.

Ganz lange schaute ich mir das Vorher-nachher-Bild von ihrem Schopf an und versuchte, den sauren Kaffee so elegant wie möglich runterzuwürgen. Dabei schossen mir viele Fragen durch den Kopf, was Kates Haar-Wasch-Ritual angeht. Ein- oder zweimal Shampoo und immer Conditioner oder eher einen Pflegespray für danach? Benutzt sie das Frotteetuch mehrere Male oder wirft sie es sofort auf den Boden und irgendjemand hängt unbemerkt ein frisches mit ihren Initialen besticktes Tuch wieder an den dafür vorgesehenen Platz? Oder wäscht sie ihre Frotteetücher sogar selber?

Die Klatschpresse weiss – bis aufs Haarewaschen – viel über Kate

Ich googelte Herzogin Kate, um herauszufinden, was für eine Shampoomarke ihre Haare unter der Dusche zu erwarten haben. Die gängige Klatschpresse weiss, bis auf das mit dem Haarewaschen, ziemlich viel: Die Frau von Prinz Williams taucht auf «After-Baby-Bods der Stars»-Listen auf, an ihrem 35. Geburtstag konnte man ihre 35 besten Outfits anklicken, und man erfährt, dass der Alpaka-Pelzhut, welchen sie trug, als ihre Mutter so tiefe Augenringe wegen der bevorstehenden Hochzeit von Pippa hatte, von Tieren stammt, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Letztes wurde via offizieller Pressemitteilung bekannt gegeben wegen zu vieler negativer Schlagzeilen und fauchender Tierschützerinnen in den Kommentarzeilen.

Diese Kate ist einfach alles, was eine Frau im 21. Jahrhundert so sein muss, dachte ich mir, während ich mit Wasser den «suuure Kaffii» aus meinen geschundenen Geschmacksknospen zu spülen versuchte. Eine sympathische Allrounderin, die trotz zwei Kindern nicht zum Mameli geworden ist und souverän die perfekte Clutch zu den passenden Schuhen, zum passenden Mantel, zum dazupassenden Hut, zum passenden Schmuck trägt, der dann perfekt ihre Augenfarbe unterstreicht. Und alles sieht so unangestrengt und stressfrei ausgesucht aus. Sie ist die Queen of Fashion, immer perfekt gestylt von Kopf bis Fuss – das scheint das einzig Relevante an dieser Absolventin der University of St Andrews zu sein, die einen Bachelor in Kunstgeschichte in der Samthandtasche herumträgt.

Sie scheint die optimale Version von erfolgreich zu sein

Ich überlegte, ob ich sie schon jemals reden gehört habe. Ich denke nicht. Aber das macht nichts, sie ist wohl genau deshalb die perfekte Frau. Ich weiss nicht, wie sie klingt, aber ich weiss: Sie ist erfolgreich, mehr noch, sie scheint die optimale Version von erfolgreich zu sein, weil sie nicht verkrampft ehrgeizig wirkt. Sie hat Selbstvertrauen, wirkt aber nicht bedrohlich, in keinem Bereich, weder für die Männer- noch für die Frauenwelt. Sie ist nicht zu hübsch oder zu sexy oder zu intellektuell. Es sieht immer alles «comme il faut» aus, aber nie so, als wäre sie lange vor dem Spiegel herumgeturnt. Kate scheint, als sei sie nicht eitel, sondern als sei es vor allem ein müheloser Zufall, dass vom Make-up bis zu ihren Strumpfhosen alles durchchoreografiert ist. Sie ist in allem, was sie tut, ambitioniert, aber nicht verbissen. Kate ist die perfekt konstruierte Frau neben einem Prinzen, von dem man nur weiss, dass er «biz» Pech mit dem Haarwuchs hat. Natürlich hat das Royal-Dream-Couple eine Nanny, aber es ist ihnen – vor allem ihr – sehr wichtig, dass sie massgeblich an der Erziehung der Kinder beteiligt sind.

Dann schweifte ich ab und regte mich über den «suuure» Kaffee auf, der jetzt halt einen «modernen Kaffee-Geschmack» bedient. Whatever. Dieser Kaffee-Hype, ich verstehe ihn genauso wenig wie das plötzliche Verlangen nach passenden Handschuhen zu meinem Wintermantel. Es ist aber auch echt schwer, sich gegen komischen Kaffee- und Frauengeschmack zu wehren, wenn sie einfach ÜBERALL SIND.

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