Apropos

Diese Wirtin sieht mich nie wieder

Toni Widmer
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Da nützt auch ein gutes Esse nichts: Unfreundliche Wirte vergraulen ihre Gäste für immer. (Symbolbild)

Da nützt auch ein gutes Esse nichts: Unfreundliche Wirte vergraulen ihre Gäste für immer. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Ich war auf einer Vespa-Abendausfahrt mit Freunden. Plätze im Restaurant – ein wunderschön gelegenes Ausflugslokal irgendwo in der Schweiz – waren frühzeitig reserviert worden. Zwei Stunden vor der geplanten Ankunft hatte die organisierende Kollegin auch noch gemeldet, dass wegen des schönen Wetters ein halbes Dutzend Teilnehmer mehr im Restaurant aufkreuzen würden.

Der Tisch war gedeckt, als wir in der Gartenwirtschaft ankamen, doch es war etwas eng. Wir begannen deshalb, mit dem Herumrücken von Stühlen und Tischen uns etwas mehr Luft zu verschaffen. Die Wirtin, darob nicht erfreut, stauchte uns statt eines «Grüss Gott» erst einmal zusammen: «Es wird halt knapp, wenn mehr kommen, als angemeldet sind. Und überhaupt: Es gibt dann auch nicht mehr die ganze Karte, in der Küche wollen sie schliesslich auch mal Feierabend haben.»

Ich war soeben aus den Ferien in Kroatien zurückgekommen und diese Art von Ungastlichkeit nicht mehr gewohnt. Deshalb habe ich mir überlegt, ob ich auf die herrliche Aussicht verzichten, nach Hause fahren und mir auf dem Rückweg ein Lokal suchen sollte, in dem man Gäste noch schätzt. Obwohl das Essen tadellos war und sich auch die Wirtin wieder beruhigt hat: Mich sieht sie nicht wieder.