Sprachriff

Die Kunst, richtig falsch zu schreiben

Freipass fürs Drauflos-Schreiben? Der hätte etwas missverstanden.

Heimito Nollé
Drucken
Teilen
Emil Manser mit einem seiner Plakate (Badzeli oder ich "singe"). Das Historische Museum Luzern widmet dem Stadtoriginal nun die Ausstellung "Wer mich kennt, liebt mich. Emil Manser (1951-2004)

Emil Manser mit einem seiner Plakate (Badzeli oder ich "singe"). Das Historische Museum Luzern widmet dem Stadtoriginal nun die Ausstellung "Wer mich kennt, liebt mich. Emil Manser (1951-2004)

SDA

Zurzeit läuft im Historischen Museum Luzern eine Ausstellung über Emil Manser. Jeder in Luzern kannte den Strassenkünstler, der oft mit einer Flasche Bier und seinem neuesten Plakat vor der Kantonalbank sass und 2004 in die Reuss ging. Auf seinen handgeschriebenen Plakaten standen Sätze wie: «Wer es zu edwas gebrachd hat dorf mir 45 Rapen geben» oder «Glükk für Sie: Betle heute zum halben Breis.»

Sprachwitz kombiniert mit einer falschen Rechtschreibung machen die Komik von Mansers Sätzen aus. Der Witz an der Sache: Manser wählte die falsche Rechtschreibung bewusst und tüftelte oft ganze Nächte an seinen neuen Sprachschöpfungen. Seine anarchische Lust an der Sprache machte seine Sprüche zu Kleinkunstwerken.

Wer dies nun als Freipass fürs Drauflosschreiben sieht, hat jedoch etwas missverstanden. In den meisten Fällen ist eine falsche Orthographie nicht besonders originell, sondern für den Leser einfach nur bemühend. Man muss schon mit Mansers subtilem Witz beschenkt sein, um die Sprache ungestraft zu hintergehen. Die Kunst, richtig falsch zu schreiben, ist vor allem eins: harte Arbeit. Vielleicht meinte Manser auch das, als er schrieb: «Finde meine Kunstd ofd selber nichd Luschdig».