Kolumne

Der Blick ins Zurzibiet mit Susanne Holthuizen: Eile mit Weile à la Zurzibiet

Die gebürtige Lengnauerin Susanne Holthuizen ist Gemeinderätin und Kommunikationsdesignerin. Holthuizen lebt mit ihrer Familie in der Surbtaler Gemeinde. In ihrer Kolumne schreibt sie über «Dog», ein Hybrid zwischen Brett- und Kartenspiel.

Susanne Holthuizen
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«Dog», ein Hybrid zwischen Brett- und Kartenspiel.

«Dog», ein Hybrid zwischen Brett- und Kartenspiel.

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Da mache ich jeden platt – echt, da kenne ich nix. Wenn ich spiele, dann mit jeder Faser meines Körpers, den totalen Einsatz eben. Fast schon etwas plump evolutionär. Wenig erstaunlich deshalb auch die Farbwahl meiner grünen Männchen – frei nach dem Prinzip Hoffnung! Zugegeben, da ist gerade etwas vielfarbpsychologischer Hokuspokus mit im Spiel, aber was soll’s. Echt, was wirklich zählt, ist eine gute Handvoll gegnerische Einschüchterungsrhetorik. Genau wie im richtigen Leben.

Wer es aber im Surbtal so richtig drauf hat, der spielte am letzten Samstag «Dog». Nicht, dass wir hier gänzlich auf den Hund gekommen wären. Obwohl dieser Gedanke mitunter nicht ganz abwegig ist, bedenke man doch die Episoden rundum liegen gelassener Hundsware! Aber lassen wir das, wir wollen uns ja nicht unnötig mies Abgestandenes zuwedeln. Jedenfalls ist «Dog» ein Hybrid zwischen Brett- und Kartenspiel. Durchaus nachhaltig, nicht? Wahre «Dog»-Aficionados treffen sich zum regelrechten Wettstreiten, wo sie sich in Zweierteams gegenseitig gnadenlos ausspielen. Die Teilnehmenden sind voll durchorganisiert, mehr als 30 Teams sind im Einsatz. Da gibt es sogar eine «Dog»-Lobby, die gesamtschweizerisch unterwegs ist. Beim letzten Pit-stop in Lengnau ging es am Wochenende um die Wurst. Während die einen also ziemlich ins Hecheln und an ihre Grenzen geraten, verharren unsere Top-Dogs derzeit in einem äusserst mysteriösen, inneren Dämmerzustand. Unerklärlich. Als ob unsere Gegend plötzlich in einen tiefen Dornröschenschlaf versunken ist. Hoffnung auf Erlösung sollte man sich lieber gleich keine machen: unsere Beisserchen dösen gerade total relaxt vor sich hin. Da können noch viele Brennstäbe vor sich hin oxidieren, bis da auch nur einer die Tatze hebt! Easy, warum denn aufmucken, wenn es doch schon andere für uns machen?

Ist eh nur alles unnütze Energieverschwendung. Wenn es zum Kurzschluss kommt, ist sowieso bald das grosse Lichterlöschen angesagt. Oder sind wir alle nur Opfer einer atomisierenden Dauerberieselung, die uns momentan bloss in eine seltsame Schockstarre versetzt? Selbst das Hochfahren, trotz ungeklärter Umstände, hat das Zurzibieter Gemüt nicht wirklich auf Touren bringen können. Währenddessen sind aber sechzehntausend Auswärtige glatt aus der Haut gefahren! Die Situation ist ziemlich abgefahren und mittlerweile deutlich grenzüberschreitend.

Und wir, die dreiunddreissigtausend Zurzibieter Under-Dogs? Sind wir sprachlos, mundtot oder halten wir einfach nur die Klappe, weil wir so oder so am Tropf hängen? Immerhin haben wir ja noch unsere jodierte Beruhigungspille für danach. Darum, kein Stress! No risk – so pfeifen es zumindest die Rohrspatzen vom Kühlturmrand runter. Und was genau machen gerade unsere Top-Dogs, während wir vom süssen Gezwitscher sanft eingelullt werden? Es ist Zeit aufzustehen!