Kommentar
St.Galler Festspiele nur noch alle zwei Jahre: Der Anfang eines Trauerspiels – und etwas wird sterben

Stets war betont worden, wie toll diese Festspiele für den Standort St.Gallen seien, und wie international sie ausstrahlen. Nun heisst es, sie beeinträchtigten den Stiftsbezirk. Man reibt sich die Augen.

Odilia Hiller
Odilia Hiller
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Im Jahr 2021 stand «Notre Dame», eine romantische Oper von Franz Schmidt, auf dem Festspielprogramm. Romantisch ist niemandem mehr zumute.

Im Jahr 2021 stand «Notre Dame», eine romantische Oper von Franz Schmidt, auf dem Festspielprogramm. Romantisch ist niemandem mehr zumute.

Bild: Toni Suter

Ab 2023 heisst es auf dem Klosterhof: Oper, Pause, Oper, Pause. Der Kanton auferlegt den St.Galler Festspielen einen Zweijahresrhythmus. Mitten in den Sommerferien gelangt an die Öffentlichkeit, was seit Oktober 2020 beschlossen sein soll. Theater- und Festivaldirektor Werner Signer, noch bis zum Ende der Saison 2022/23 im Amt, empfängt ein – gelinde gesagt – zwiespältiges Abschiedsgeschenk.

Begründet wird der Entscheid etwas neblig mit dem «Ausgleich verschiedener Nutzungsinteressen». Das «Erlebnis Stiftsbezirk» werde durch die Opernfestspiele, die seit 2006 jährlich im Juni und Juli stattfinden, während der «touristisch attraktivsten Zeit beeinträchtigt».

Das Flaggschiff des Ostschweizer Kultursommers

Man reibt sich die Augen. Stets war allseits betont worden, wie furchtbar toll diese Festspiele seien, und wie international sie ausstrahlen. So schön sei das doch für Sommerreisende, von diesem Flaggschiff des Ostschweizer Kultursommers begrüsst zu werden. Dieser Standortfaktor soll nun plötzlich nicht mehr so wichtig sein.

Es ist mehr als fraglich, ob eine Durchführung alle zwei Jahre für das Überleben eines Musikfestivals genügt. Wir kennen keines. Nicht gelungen ist es zuletzt den Zürcher Festspielen. Vom Entscheid, diese noch zweijährlich durchzuführen, bis zur definitiven Einstellung im Jahr 2020 dauerte es vier Jahre. Dann war Feierabend.

Ein halbherziger Entscheid

Einmal mehr ist ratlos, wer die St.Galler Standortstrategie nachzuvollziehen versucht. Das Hüst und Hott zwischen dem Anspruch auf Weltläufigkeit und provinziell anmutenden Entscheiden ist nicht nur ermüdend. Es schadet. Der immer wieder beschworene Wille, den Standort nachhaltig zu fördern, wird durch einen weiteren halbherzigen Entscheid in Frage gestellt.

Besser, man wäre ehrlich: Soll das Ziel sein, dass Open Air, Olma und die Spiele des FC St.Gallen die bedeutendsten Grossveranstaltungen der Region bleiben, dann sei es so. Konsequenterweise müsste man dann aber aufhören, von Leuchttürmen und internationaler Ausstrahlung zu schwadronieren.

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