Kommentar
Prämienlast: Es braucht eine Kostenbremse fürs Gesundheitswesen

Florence Vuichard
Florence Vuichard
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Während der ersten Corona-Welle durfte nur noch zum Arzt oder ins Spital, wo es auch zwingend nötig war.

Während der ersten Corona-Welle durfte nur noch zum Arzt oder ins Spital, wo es auch zwingend nötig war.

Keystone

Es war ein ungewolltes Experiment. Eines, das politisch nie eine Mehrheit gefunden hätte, aber coronabedingt diskussionslos akzeptiert wurde: Im März 2020 verhängte der Bundesrat mit dem ersten Lockdown eine Art Leistungsbremse fürs Gesundheitswesen.

Zum Arzt und ins Spital durften eigentlich nur noch jene, die wirklich medizinische Hilfe benötigten. Aus dieser Leistungsbremse wurde eine Kostenbremse: Und so gibt es statt des üblichen Kostenwachstums einen Rückgang – wenigstens bei den Arztpraxen.

Ob sich aufgrund der Corona-Erfahrungen neue Verhaltensmuster etablieren, ob die Menschen nun also länger zuwarten, bevor sie – auch unnötigerweise – zum Arzt eilen, lässt sich derzeit noch nicht beantworten. Etwas Zurückhaltung kann sicherlich nicht schaden, aber letztlich muss das Kostenproblem im Gesundheitswesen anders gelöst werden.

Etwa über den neuen Tarifvertrag für den ambulanten Bereich, eine einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen sowie die Eliminierung von Fehlanreizen, an denen es im Gesundheitswesen nicht mangelt.

Experten versprechen sich von diesen Reformen mittelfristig Einsparungen in Milliardenhöhe. Und das braucht es unbedingt. Denn nur so kann das Wachstum bei der Prämienlast gebremst werden. Und nur so wird beim Thema Gesundheit wieder mehr über Qualität gesprochen – und weniger über Geld.