KOMMENTAR
Impfbereitschaft: Zusätzlicher Druck auf die ländliche Ostschweiz bringt nichts

Nirgends ist die Impfquote so tief wie in der ländlichen Ostschweiz. Das ist nicht gut. Doch mit staatlicher Impfpädagogik lässt sich das kaum ändern.

Stefan Schmid
Stefan Schmid
Drucken
Teilen
Gesundheitsminister Alain Berset sucht nach Wegen, die Impfquote zu erhöhen.

Gesundheitsminister Alain Berset sucht nach Wegen, die Impfquote zu erhöhen.

Anthony Anex / KEYSTONE

Gewiss, der Bundesrat hat recht: Die Impfquote ist in der Schweiz nach wie vor zu tief, um sämtliche Covid-Massnahmen wie in anderen europäischen Ländern aufzuheben. Es ist daher richtig, startet die Regierung nochmals eine Offensive zur Verbesserung der Situation.

Denn klar ist: Die Impfung wirkt. Sobald ein erheblicher Teil der Bevölkerung immunisiert ist, können wir endlich zurück ins alte Leben - ohne Masken und ohne Zertifikate.

Besonders renitent in Sachen Impfbereitschaft ist die ländliche Ostschweiz. Ausserhalb der städtischen Zentren, in weiten Teilen des Thurgaus, im Toggenburg, Rheintal sowie im Appenzellerland verweigert sich etwa die Hälfte der Bevölkerung einer Impfung. Das ist bedauerlich. Die weit verbreitete Skepsis ist wissenschaftlich nicht haltbar. Es wäre schön, wenn sich auch auf dem Land mehr Menschen der Erkenntnis nicht entzögen, dass nur die Impfung den Weg aus der Pandemie weist.

Doch deswegen den Druck weiter erhöhen? Nein, das bringt nichts. Wer etwa die Appenzeller Seele kennt, ahnt: Das ist kontraproduktiv. Die Innerrhoder Gesundheitsdirektorin Monika Rüegg Bless liegt richtig, wenn sie sagt: Druck von aussen erhöht den Widerstand. Umso wichtiger ist es, dass die Tests jetzt kostenpflichtig werden. Starrsinn ist erlaubt, aber die Allgemeinheit dafür noch bezahlen zu lassen, das wäre dann zu viel verlangt.

Aktuelle Nachrichten