KOMMENTAR
Die Ostschweiz ist der Corona-Hotspot, doch unsere Regierungen zögern und zaudern

Die Zahlen sind schlecht, die Intensivstationen voll. Trotzdem setzen die Ostschweizer Regierungen auf das Prinzip Hoffnung - und auf den Bundesrat.

Stefan Schmid
Stefan Schmid
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Was tun? Gemeinsame Pressekonferenz der Ostschweizer Kantonsregierungen im St.Galler Pfalzkeller. Von links: Monika Knill (TG), Bruno Damann (SG), Monika Rüegg Bless (AI) und Dölf Biasotto (AR)

Was tun? Gemeinsame Pressekonferenz der Ostschweizer Kantonsregierungen im St.Galler Pfalzkeller. Von links: Monika Knill (TG), Bruno Damann (SG), Monika Rüegg Bless (AI) und Dölf Biasotto (AR)

David Grob

Man konnte ja durchaus Verständnis haben, damals vor einem Jahr, für die anfänglich zögerliche Reaktion der Ostschweizer Kantone im Kampf gegen die Pandemie. Immerhin waren zunächst primär andere Regionen der Schweiz von der zweiten Welle betroffen und man wollte hierzulande auf die hoch gelobte Eigenverantwortung setzen, ehe der Staat Direktiven herausgab.

Heute, ein gutes Jahr danach, wissen wir, dass es mit dieser Eigenverantwortung bei einem beträchtlichen Teil der Ostschweizer nicht sehr weit her ist. Ein knappes Drittel der erwachsenen Bevölkerung hat sich – trotz dringender Empfehlung aus Wissenschaft und Politik – nicht gegen das Coronavirus impfen lassen, obwohl die Impfung das beste Rezept gegen die Verbreitung der Krankheit ist. Entsprechend hoch sind nun deshalb die Fallzahlen und als Folge davon auch zunehmend wieder die Spitaleinweisungen.

Wir sind der schweizweite Hotspot der Pandemie, eine peinliche und bedenkliche Bestmarke.

Und was tun unsere Kantonsregierungen, welchen das Pandemie-Management obliegt? Sie zögern und zaudern. Und dehnen als kleinster gemeinsamer Nenner die Maskenpflicht ein bisschen auf die Weihnachtsmärkte aus. Mit Verlaub: Das ist angesichts der Lage deutlich zu wenig.

Politik besteht auch aus Symbolik. Die Gesundheitsdirektoren hätten es nach dem Ja zum Covid-Gesetz vom vergangenen Sonntag in der Hand gehabt, das Momentum zu nutzen und ein starkes Zeichen zu setzen. Sie hätten nicht warten müssen, bis der Bundesrat die Ostschweiz, einmal mehr, übersteuert. Stattdessen harren sie der Dinge, die da kommen und hoffen, es möge nicht so böse werden wie allenthalben befürchtet.

Noch ist es nicht zu spät: Noch sind in unseren Spitälern ein paar wenige Plätze in den Intensivstationen frei. Der Bundesrat hat am Freitag exponierte Kantone wie St. Gallen, Thurgau und beide Appenzell unmissverständlich aufgerufen, weitergehende kantonale Massnahmen zu beschliessen.

Es gibt nach heutiger Beurteilung schlicht keinen Grund, dies nicht so schnell wie möglich zu tun. Oder um wieder einmal das Bonmot von Simonetta Sommaruga zu zitieren: «Es muss ein Ruck durch unser Land.» Oder präziser: Es muss ein Ruck durch die Ostschweiz.

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