Kommentar
Die Nationalbank ist wie die katholische Kirche: Sie braucht Reformen - und 5 statt 3 Direktoriumsmitglieder

Der Rücktritt von Nationalbank-Vizepräsident Fritz Zurbrügg bietet die Chance zu einer Erneuerung. Und er sollte Anlass sein, die Machtballung beim Direktoriums-Trio zu überdenken.

Patrik Müller
Patrik Müller
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Mehr Dynamik täte gut: Das Nationalbank-Direktorium mit Fritz Zurbrügg, Thomas Jordan (Präsident) und Andrea Maechler (von links).

Mehr Dynamik täte gut: Das Nationalbank-Direktorium mit Fritz Zurbrügg, Thomas Jordan (Präsident) und Andrea Maechler (von links).

Anthony Anex / Keystone

Es sind nur gerade drei Personen, welche die Geschicke der Nationalbank bestimmen. Nun tritt eine davon ab ab, Vizepräsident Fritz Zurbrügg. Nach einer langen Phase der Konstanz unter Präsident Thomas Jordan (seit 2012 im Amt) besteht nun die Chance zu einer Erneuerung.

Der Nationalbank täte eine Persönlichkeit gut, die Dynamik und neue Perspektiven einbrächte. Das heutige Direktorium gefällt sich zu sehr in seiner Solidität, die manchmal aber mehr wie Starrheit wirkt.

Ganz anders etwa die US-Notenbank Fed, deren Chef Jerome Powell schon mal einräumt, die Inflation unterschätzt zu haben – und seine Politik justiert. Die SNB aber gibt sich unfehlbar wie die katholische Kirche. Diese Zeiten sind vorbei, auch in der Geldpolitik.

Zurbrüggs Rücktritt sollte zudem Anlass sein, über die Grösse des Direktoriums nachzudenken. Die Machtballung bei einem Trio, das derart weitreichende Entscheide für eine der wichtigsten Volkswirtschaften Europas trifft, ist ein Unikum im Notenbank-Universum. Und passt so gar nicht zur auf Ausgleich bedachten Schweiz.

Fünf statt drei Direktoriumsmitglieder könnten gemeinsam mehr Expertise einbringen und Erfahrungen aus Wissenschaft, Politik und – woran es heute mangelt – Realwirtschaft einfliessen lassen.

Der Bundesrat braucht nicht neun Mitglieder, wie letzte Woche gefordert wurde; sieben reichen. Beim SNB-Direktorium aber wäre eine Aufstockung ein echter Gewinn.

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