Kommentar
Auch wenn es bitter ist: Die Coronalage in der Ostschweiz ist verfänglich – die Kantone müssen jetzt handeln

Auch wenn es für uns alle einer Zumutung gleich kommt: Die Pandemie droht in den Ostschweizer Kantonen aus dem Ruder zu laufen. Die Politik muss versuchen, den Trend zu brechen, sonst könnte es ungemütliche Weihnachten geben.

Stefan Schmid
Stefan Schmid 9 Kommentare
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Was tun? Ratlosigkeit unter den Ostschweizer Gesundheitsdirektoren.

Was tun? Ratlosigkeit unter den Ostschweizer Gesundheitsdirektoren.

Bild: Tobias Garcia

Wie waren wir doch optimistisch, das Gröbste in Sachen Corona überstanden zu haben. Freudig wandten wir uns wieder anderen, schöneren Themen zu. Und jetzt das:

Die Infektionszahlen gehen durch die Decke, vor allem bei uns in der Ostschweiz, die Nachbarn in Vorarlberg hocken im Lockdown, das deutschsprachige Europa diskutiert die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht, um den Weg aus dem kollektiven Stress endlich zu bahnen.

Das Fiese an dieser Pandemie ist tatsächlich: Wir besiegen sie nur gemeinsam. Das ist für jene 65 Prozent der Bevölkerung, die hierzulande geimpft ist, frustrierend. Man ist nicht Herr des eigenen Schicksals. Kein Wunder, gewinnt ein Impfobligatorium Anhänger, haben sich doch alle bisherigen Massnahmen als zu wenig griffig erwiesen, um die Impfquote entscheidend zu erhöhen. An der Einschätzung hat sich aus liberaler Sicht freilich nichts geändert: Ein staatlicher Impfzwang ist abzulehnen.

Der Umstand indes, dass Bund und Kantone derzeit so zurückhaltend agieren, ist nicht bloss auf die Covid-Abstimmung vom kommenden Sonntag zurückzuführen. Vielmehr dürfte eine verbreitete Ratlosigkeit Quelle des Zauderns sein.

Wie soll man in einer freiheitlichen Demokratie eine Pandemie wirkungsvoll bekämpfen, wenn sich ein Drittel der Bevölkerung partout weigert, das Naheliegendste zu tun?

Die unbefriedigende und durchaus bittere Antwort: Die bestehenden Massnahmen müssen wieder verschärft werden. Homeoffice, 2G für Anlässe, Ausdehnung der Maskenpflicht an Schulen. Die Ostschweizer Behörden sollten jetzt handeln, nicht zuletzt um zu signalisieren, dass die Lage verfänglich ist.

Eine Überlastung der Spitäler muss verhindert werden. Ein erneuter Lockdown ebenso. Die Schweiz hat beide Ziele bisher erreicht, auch wenn über den Weg oft keine Klarheit bestand. Wann, welche Massnahme zu ergreifen ist, das ist leider keine exakte Wissenschaft.

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Luzia Osterwalder

Wer erinnert sich an die Volksweisheit: "sich ins Bockshorn jagen lassen?" Eine Frage ist, wie kam ich hinein? Die andere wie komme ich wieder raus aus dem Irrgarten im Bockshorn? Der Weg hinaus wird erschwert, wenn ein Narrativ mantramässig wiederholt wird. Vermutlich wurden Stichworte wie Vogel-, Schweinegrippe usw. vergessen? Natürlich dürfen Sie glauben, dass wir eine Pandemie hatten, obwohl die Übersterblichkeit bei den über 80 Jährigen lag. Wen wunderts? Natürlich dürfen Sie glauben, dass das Testen einen Weg hinaus weist. Und natürlich dürfen Sie glauben, dass die Impfungen der einzige Weg zur Heilung sind. Wenn Sie all das glauben, sollten Sie sich aber nicht wundern, wenn dieser Irrsinn noch Jahrelang andauert. Dann dürfen Sie sich auch nicht wundern, wenn die 4. 5. und 6. "Impfung" kommen wird. Denn offenbar ist es schwierig der Mehrheit der "Impfwilligen" glaubhaft zu machen, dass "Impfungen" überhaupt die erforderliche Wirkung haben. (Weshalb sollte es sonst "Auffrischungsimpfungen" geben? Und gleichzeitig den Kritischen, dass sie überhaupt damit anfangen sollten. "Wer Angst hat, stirbt jeden Tag. Wer keine Angst hat, stirbt nur ein Mal," Zitat von Paolo Borsellino, ehemaliger italienischer Richter und Mafiajäger, der 1992 ermordet wurde.

Robert Ineichen

Vorallem würde es dem Herrn Schmid gut tun, einmal mit dieser 65% Impfrate aufzuhören bzw. sich die Prozentzahlen etwas vertieft zu Gemüte führen. Tatsache ist, dass gestern am 22.11. 75% aller Personen in der Schweiz im Alter ab 12 doppelt geimpft waren. Dann hatte die CH kumuliert rd. 945'000 Personen, die bisher positiv getestet wurden. Diese haben also einen natürlichen Immunitätsschutz, der wahrscheinlich besser ist als derjenige vom Impfen. Das sind nochmals weitere 12%. Da gehen wir also schon in Richtung 90%. Somit fehlen bis zu den 7,6 Mio. Personen in der CH über Alter 12 weniger als 1 Mio. bzw. wären das die Nichtgeimpften. Darunter sind schätzungsweise 350'000 Jugendliche unter 19 Jahre, also sehr wenig gefährdet. Die restlichen Ungeimpften wissen grösstenteils, was es mit Distanz- und Maskenregeln auf sich hat und werden sich grösstenteils vorsichtig benehmen. Nein, die Probleme liegen ganz wo anders. Die beiden bisherigen Impfungen konnten keine dauerhafte Immunität entwickeln, sie bringen für einige Monate bestenfalls Schutzwirkung. Die Weiterübertragung von Viren ist wohl etwas reduziert, aber immer noch vorhanden. Die Boosterimpfung muss so schnell wie möglich kommen. In unserem ganzen Leben müssen für alle die bestens bekannten Abstands- und Maskenregeln wieder eingeführt und durchgesetzt werden. Homeoffice muss erneut wieder zur Pflicht werden.

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