Salzkorn
Heraus zum 1. Mai! Dieses Mal waren wir wenig erfolgreich

Wir haben uns von diesen Coronavirus-Massnahmen und vom Wetter nicht schrecken lassen und am 1. Mai tatkräftig für die Schwachen gekämpft. Den Starken war das leider egal. Gut, essen wir halt Fischstäbchen.

Pascal Hollenstein
Merken
Drucken
Teilen

Illustration: Corinne Bromundt

Die Einschränkungen waren spürbar. Im öffentlichen Personennahverkehrsmittel trugen wir eine Maske. Das Wetter war nun auch nicht gerade begeisternd. Und die Polizei würde ein Auge auf uns haben. Wir mussten also vorsichtig sein.

Aber von derartigen Widrigkeiten liessen wir uns nicht schrecken. Der 1. Mai ist uns heilig. Es ist der Tag, an dem wir schon ganz früh am Morgen das gutbürgerliche Federduvet verlassen und für die Schwachen kämpfen. Für jene, die im Kampf des Lebens herzlos gefressen werden. Es ist der Tag, an dem wir den Raubtieren ihr zähnebewehrtes Maul stopfen wollen. Einmal im Jahr muss man etwas tun, sich ans Herz fassen, ein Zeichen setzen. Laut werden für die Stummen. Für jene ganz unten in der Nahrungskette. Man muss handeln.

Wir haben alles gegeben. Unsere Botschaft war klar: heute oder nie.

Es war ein Nie. Den Starken war unser Protest egal. Am 1. Mai endet im Gewässer unseres Vertrauens die Schonzeit für Hechte. Gebissen hat keiner. Aber wer erwartet von Raubtieren schon Solidarität?