Salzkorn
Fussball ist, wenn Männer grosse Gefühle haben

Die Fussball-EM löst starke Emotionen aus. Viele verstehen auch plötzlich etwas von Psychologie.

Odilia Hiller
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Illustration: Corinne Bromundt

Jetzt ist sie wieder da, die Zeit der grossen Gefühle. Gestandene Männer, die man unterm Jahr über kaum einmal gerührt erlebt, faseln plötzlich von Magie, Freude, Trauer und Frustration.

Der Herzschmerz ist real, wenn die elf auf dem Rasen Chabis machen. Geht der Ball ins richtige Netz, fallen die Gefühlsdusel allem um den Hals, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Plötzlich wissen alle, wie sich Xhaka fühlt

Selbstverständlich lösen unterschiedliche Dinge bei verschiedenen Leuten andere Emotionen aus. Bei manchen reagiert das zentrale Nervensystem beim Thema Genderstern, epidemiologische Impfaktivitäten eines Landes oder allgemein dem Bundesrat besonders stark.

Doch damit nicht genug. Der Fussball-Gefühlsschwang führt auch zu einer intensiven Beschäftigung mit Psychologie. Plötzlich wissen alle, wie sich der Xhaka fühlt, der «Shaq» motiviert werden kann, und dass ein Team «wie eine Familie» ist.

Lustigerweise verfliegen die tiefen Psychologiekenntnisse jeweils unmittelbar nach dem Turnier. Ausser natürlich, man verpackt sein Anliegen in eine Fussballanalogie.