Querdenker
Weshalb Sponsoren und Mäzene im Schweizer Fussball noch wichtiger werden

Wenn wir uns in Zeiten von Corona dem Geld von Investoren verweigern, wird der Schweizer Klubfussball im internationalen Vergleich noch weiter nach hinten gereicht.

René Bühler
Drucken
Teilen
Unser Kolumnist René Bühler

Unser Kolumnist René Bühler

Benjamin Manser

«Wer reich stirbt, der stirbt in Schande», sagte der Schott Andrew Carnegie schon im 19. Jahrhundert. Er wurde mit dem Stahlhandel reich und spendete zu Lebzeiten 350 Millionen Dollar, was heute einem Wert von rund 10 Milliarden Dollar entsprechen würde.

FCZ-Präsident Ancillo Canepa sowie FC-Sion-Präsident Christian Constantin und andere vor ihnen haben schon viele private Millionen in ihre Vereine investiert, der Lohn dafür ist ab und zu ein Sieg und in guten Zeiten eine Umarmung.

Aber gerade im Wallis, selbst verschuldet oder nicht, warten sie nun schon seit Jahren darauf, dass die investierten Millionenbeträge auch etwas Wirkung zeigen.

Es ist nicht anrüchig, wenn ausländische Firmen investieren

In der Coronakrise erhalten die Mäzene und Sponsoren eine neue Wertung und Wichtigkeit. Nicht abzuschätzen, was mit all den Profivereinen geschehen würde, wenn nicht Geldgeber diesen Vereinen nun die Treue halten würden.

Es ist nicht per se anrüchig, wenn beim FC Lausanne-Sport, den Grasshoppers oder auch beim FC Thun ausländische Firmen ihr Geld investieren. Es gilt aber, allen Beteiligten auf die Finger zu schauen, damit dieses Geld auch an die richtigen Stellen fliesst.

Lassen wir Mäzene, Oligarchen und Sponsoren doch investieren. Die Aufgabe des Gesetzgebers ist es, die Nebenschauplätze zu beobachten, diese Investoren deshalb aber zu verunglimpfen, ist zu kurz gedacht.

Multimillionäre, die auch das Präsidentenamt inne haben

Wenn wir uns diesem Geld verweigern, wird der Schweizer Klubfussball, notabene in einem der reichsten Länder der Welt, im internationalen Vergleich noch weiter nach hinten gereicht. Der FC Zürich und die Grasshoppers leb(t)en seit Jahrzehnten von Schweizer Multimillionären, die teilweise auch das Präsidentenamt ausführten oder immer noch ausführen.

Werden die Fans nun dankbarer?

Andere haben teure Autos in der Garage, die vor sich hin darben, da sind die Investments in den Sport doch viel wertvoller. Auch der FC St. Gallen wäre ohne das Geld seines früheren Präsidenten Dölf Früh und seinen Freunden beinahe Konkurs gegangen. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, dass auch bei den Fans mehr Dankbarkeit aufkommt.

Diese Geldgeber mögen oft etwas unberechenbar oder zu euphorisch sein. Was die Schweizer Geldgeber betrifft, lässt sich aber sagen, dass sie in den allermeisten Fällen auch grosse Fans des Fussballs sind.

Der Fall Hoffenheim

Dietmar Hopp, der bei vielen Fans anderer Bundesligaklubs verhasste Mäzen der TSG Hoffenheim, wurde schon in der Regionalliga, also lange bevor die Hoffenheimer in die Bundesliga aufgestiegen sind, in Fangesängen verunglimpft.

Ist es Neid gegenüber dem Werk in Hoffenheim oder Frustration über das Scheitern des eigenen Klubs? Dietmar Hopp ist einer der reichsten Deutschen und hat sich in Hoffenheim etwas erarbeitet, wozu man ihm nur gratulieren kann. Es ist nicht seine Schuld, wenn Traditionsvereine wie der FC Kaiserslautern sportlich und finanziell mit den Besten nicht mehr mithalten können.

Im Wandel der Zeit

Es ist auch keine Sünde, dass Dietmar Hopp den grössten Technologiekonzern des Landes aufgebaut hat. Er hat dabei Tausende Arbeitsplätze geschaffen und daneben mit seinem Geld die TSG Hoffenheim in der Bundesliga etabliert.

Der Verein ist im Bereich der Jugendarbeit ein Vorbild und hat ganz einfach frühere Traditionsvereine abgelöst. Dass sich die Zeiten ändern, ist normal. Ganz abgesehen davon ist bekannt, dass sich Dietmar Hopp auch im sozialen Bereich finanziell engagiert. Wenn schon ein sparsamer Schotte vor über 150 Jahren so viel Geld gespendet hat, dann soll dies auch für Nicht-Schotten möglich sein.

Unser Kolumnist
René Bühler wirft regelmässig einen Blick auf das Sportgeschehen. Er ist Ehrenpräsident des FC Fortuna St. Gallen und Herausgeber des Buches «Fussballjahre». (red)