Kolumne
Wie Sie als Beziehungs-Quereinsteiger Karriere machen

In ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» schreibt Social-Media-Redaktorin Maria Brehmer über alles, was das Leben schöner macht – und manchmal auch schwieriger. Heute: Wie Sie als Beziehungs-Quereinsteiger Corona meistern.

Maria Brehmer
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«Unbewusst veranlassen uns alle sozialen Kontakte, die engsten unter ihnen besonders stark, zu harter Arbeit – an uns selbst und mit unseren Mitmenschen.»

«Unbewusst veranlassen uns alle sozialen Kontakte, die engsten unter ihnen besonders stark, zu harter Arbeit – an uns selbst und mit unseren Mitmenschen.»

Sandra Ardizzone

Lassen Sie es sich gesagt sein: Sie sind ein Coronakrisen-Profi.

Zumindest, was den Bereich der emotionalen Belastung betrifft, die uns das Virus und seine Folgen zweifelsohne aufbürdet.

Wir sind alle hart erprobt

Warum ich das glaube und dazu noch zu behaupten wage? Weil wir – also Sie und ich, die gerade eine Beziehung führen oder schon einmal für längere Zeit eine geführt haben – erprobt sind auf dem Gebiet des Konfliktmanagements, der Stress- und Angstbewältigung, der Konsensfindung.

Weil uns Beziehungen Durchsetzungsvermögen lehrten und lehren, weil wir in ihnen intrinsische Motivationen entwickeln und unangenehme und anstrengende Situationen aushalten müssen. Lauter kompliziert klingende Angelegenheiten, derer sich wohl die wenigsten von uns wirklich bewusst sind. Unbewusst veranlassen uns alle sozialen Kontakte, die engsten unter ihnen besonders stark, zu harter Arbeit – an uns selbst und mit unseren Mitmenschen.

Jeden Tag ein halber Arbeitstag Beziehungsarbeit

Tatsache ist, dass es zu den zeitaufwendigsten und oft auch kompliziertesten Aufgaben unseres Lebens gehört, mehr oder weniger erfolgreich Langzeitbeziehungen zu führen. Laut einer Studie verbringen Paare hierzulande pro Tag durchschnittlich fünfeinhalb Stunden Zeit miteinander, die Schlafenszeit nicht mitgerechnet.

Das ist mehr als ein halber Arbeitstag. In Ihrem Job bezeichnen Sie sich schliesslich auch als Profi. Und Sie tun es vermutlich auch noch, wenn Sie in einem reduzierten Pensum angestellt sind. Auch wenn jemand in einem Bereich keine fundierte Ausbildung absolviert hat, gehen Sie sicher mit mir einig, dass auch ein Quereinsteiger irgendwann die Bezeichnung «Profi» verdient, ist er erst einmal eingearbeitet.

Wir befinden uns in einem Ausbildungsprozess: in unseren Beziehungen und durch Corona

Wir sind Beziehungsquereinsteigerinnen und -einsteiger. Nur weil eine Beziehung oft nebenbei passiert, heisst das noch lange nicht, dass sie uns nichts beibringt oder wir nichts von ihr lernen. Beziehungen stellen uns wie eine (ziemlich präsente) Ausbildnerin Tag für Tag vor Herausforderungen, denen wir nicht aus­weichen können, wollen wir Überstunden vermeiden.

Konkret gesagt: Wir stellen uns den Aufgaben, wollen wir unsere Partnerschaft nicht aufs Spiel setzen. Und wenn Sie jetzt sagen, dass es Probleme gibt, die Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin schon seit einer gefühlten Ewigkeit ungelöst mit sich herumschleppen, so ist auch das Teil des ­Aus­bildungsprozesses: Jetzt müssen Sie Ihren Stress händeln, Ihre (Ur-)Ängste beschwichtigen und es am Schluss – irgendwie – schaffen, sich wieder zu versöhnen.

Sie gehen jedes Mal aufs Neue Kompromisse ein, auch wenn sie noch so klein sind. Vielleicht nehmen Sie sich eine klitzekleine Sache vor, die Sie das nächste Mal anders machen wollen. Wenn das mal keine Lernkurve ist!

Jeder und jede hat schon irgendetwas geschafft

Ja, natürlich hinkt der Vergleich zwischen Coronakrise und Beziehung. Dennoch: In schwierigen Zeiten hilft es, sich seiner Ressourcen zu besinnen. Daran zu denken, was man alles schon geschafft hat.

Das gilt für das Bewältigen der aktuellen Krise genauso wie für Beziehungen.