ANALYSE
In Diepoldsau fehlen bloss die Lamborghinis: Die Mär von der heilen Fussballprovinz

Von Manchester City über Real Madrid bis zur AC Milan: Geld regiert die Fussballwelt. Doch auch in der Schweiz gewinnt meist der Wohlhabendere. Und das selbst in unteren Ligen.

Stefan Schmid
Stefan Schmid
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Hier spielt Geld noch keine Rolle: Juniorentraining auf dem Land.

Hier spielt Geld noch keine Rolle: Juniorentraining auf dem Land.

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Endlich sind wir uns wieder einmal einig. Die Bösen, das sind die geldgierigen Millionarios im Ausland: Manchester City, Real Madrid, AC Milan. Sie wollten unter ihresgleichen eine exklusive europäische Superliga schaffen, einen üppigen Honigtopf quasi, an welchem sich ausschliesslich die Fetten laben dürfen. Pfui Teufel.

Gross ist die Empörung allenthalben. Die Klubs krebsen zurück. Dabei ist die Show doch schon lange abgekartet. Die Champions League des europäischen Fussballverbandes Uefa ist eine Veranstaltung, die von wenigen dominiert wird. Mit Porto hat vor 17 Jahren letztmals ein Verein den lukrativen Wettbewerb gewonnen, der nicht zur europäischen Oberschicht zählt.

Elf tätowierte, weltweit rekrutierte Fussballmillionäre, die Lamborghinis oder Maseratis fahren und sich mit adretten Frauen umgeben, spielen Woche für Woche gegen elf vergleichbare Helden aus aller Herren Länder.

Die Show ist perfekt, die Ticketpreise sind horrend, die Spiele hochstehend. Es treten die Besten gegeneinander an. Der sportliche Zauber jedoch, der ist faul.

Gewiss, man kann sich nicht alles kaufen. Ein Beispiel dafür ist etwa der Pariser Nobelverein PSG, der trotz Milliarden aus Katar die wichtigste Trophäe im internationalen Klubfussball partout nicht gewinnen will.

Ausnahmen bestätigen die Regel: Es gewinnt jener, der mehr hat. Die Halbstarken und die Wasserträger gehen leer aus.

Freilich ist es wohlfeil, sich bloss über die Auswüchse des internationalen Fussballbusiness zu echauffieren.

In der Schweizer Profiliga spielen die dieselben Mechanismen – einfach ein paar Schuhnummern kleiner.

Bereits zum vierten Mal in Serie holen sich die Berner Young Boys den Pokal, dies, nachdem vorher der FC Basel acht Mal in Folge Meister geworden ist. Zufall? Nebst guter Arbeit, die in Bern und Basel geleistet wurde, können die Serien auf einen Hauptfaktor zurückgeführt werden: Geld. Die beiden Vereine sind wohlhabender als der Rest. Sie kaufen zahlreiche gute Spieler einfach ein.

Arme Klubs wie der FC St. Gallen sind deshalb weit davon entfernt, jemals wieder den Titel gewinnen zu können. Dass David gegen Goliath oft gewinnt, das sind Fake News.

Muss also, wer echten, unverfälschten, authentischen Fussball erleben will, auf die regionalen Plätze pilgern, wie dies von Nostalgikern gerne kolportiert wird? Zum FC Winterthur, zum SC Brühl oder gar zum FC Diepoldsau-Schmitter? Wer’s glaubt!

Selbst in den Amateurligen ist eine hübsche Stange Geld im Spiel. Es soll Drittligafussballer geben, die kaum zehn Mal jonglieren können, die den Verein aus pekuniären Gründen wechseln. Erfolg hat, wer talentierte Spieler ködern kann. Das Prinzip ist überall dasselbe. Von Diepoldsau bis Manchester. Nur die Lamborghinis, die kann man sich im Rheintal nicht leisten.

Grund zum Verdruss? Kaum! Die Welt ist so, wie sie ist. Fussball ohne Allüren gibts am Grümpelturnier. Und bei den F-Junioren. Gratiseintritt inklusive.