Kommentar

Können die Kantone Corona? Die nächsten Tage werden es zeigen

Es macht Sinn, dass bei der Bekämpfung von Corona jetzt primär die Kantone gefragt sind. Sie wissen am besten, was sie lokal unternehmen müssen. Die grosse Frage aber bleibt: Sind sie fähig zu schnellen und harten Entscheiden?

Stefan Schmid
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Stefan Schmid

Stefan Schmid

Bild: Hanspeter Schiess

Die Schweiz kann Corona, sagte Gesundheitsminister Alain Berset vor ein paar Wochen. Das Bonmot stammt aus einer Zeit, in welcher die Fallzahlen sinken. Tempi passati. Es geht wieder aufwärts mit den Ansteckungen. Alleine 137 waren es am Mittwoch, 17 davon in der Ostschweiz. Der Reproduktionsfaktor dürfte deutlich über 1 liegen. Das bedeutet, eine infizierte Person steckt mehr als eine weitere Person mit dem Virus an – eine heikle Entwicklung.

Es ist deshalb richtig, verordnet der Bundesrat eine Maskentragpflicht im öffentlichen Verkehr. Wohl ist es auch intelligent, Personen, die aus Risikogebieten zurückkehren, in Quarantäne zu schicken.

Die Massnahmen des Bundes in Ehren: Eigentlich wären im jetzigen Stadium die Kantone gefragt. Sie sind es, welche die lokale Gefährdungslage am besten einschätzen können. Doch Fehlanzeige: Die Gesundheitsdirektorin des Kantons Zürich lamentiert darüber, dass man sie nicht davor gewarnt habe, wie heikel die Wiedereröffnung von Bars und Clubs sei.

Und der Kanton St.Gallen schwieg am Mittwoch bis weit in den Nachmittag hinein, ehe er sich zu den stark steigenden Fallzahlen auf seinem Gebiet zu äussern wagte. Das ist nicht Vertrauen erweckend, was die Kantone da bieten. Die nächsten Tagen und Wochen werden zeigen, ob sie Corona auch können. Oder ob wir in der Krise feststellen müssen, wie überschätzt dieser helvetische Föderalismus eigentlich ist.

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