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Kommentar

Kathi Wil: Innovationsgeist und Mut zum Risiko fehlen

Der Wiler Stadtrat will den Vertrag mit der Mädchensek St.Katharina kündigen. Der Entscheid des Stadtrats ist mutlos und lässt jeglichen Innovationsgeist vermissen.
Hans Suter

Dies ist ein Kommentar aus der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Hans Suter, Redaktionsleiter Wiler Zeitung.

Hans Suter, Redaktionsleiter Wiler Zeitung.

Die Wiler Schullandschaft steht vor grossen Umwälzungen und gigantischen Investitionen. Zum einen ist der vorhandene Schulraum bereits heute nur knapp ausreichend für die grossen Schülerzahlen. Und die Stadt wächst in nächster Zeit weiter – durchschnittlich um 0,8 Prozent pro Jahr. Das hat eine weitere Zunahme der Schülerzahlen zur Folge. Es muss dringend neuer Schulraum gebaut werden; zuerst in der Primarschule, dann in der Oberstufe. Zum anderen bedürfen viele der bestehenden Schulbauten einer Renovation, Modernisierung oder gar einer Sanierung. Ein beauftragtes Beratungsunternehmen schätzt, dass Wil bis zum Jahr 2030 zwischen 133 und 145 Millionen Franken in das Schulwesen investieren muss. Die Ungenauigkeit der Schätzung wird mit plus/minus 30 Prozent angegeben. In Geldbeträgen heisst das: 93 Millionen Franken im besten und 188 Millionen Franken im schlechtesten Fall. Der schlechteste Fall würde dem Dreifachen dessen entsprechen, was die Stadt vor einigen Jahren in die Sportanlagen Bergholz investiert hat.

Eine zusätzliche Problemstelle sieht der Stadtrat in der Oberstufe mit der privaten Mädchensekundarschule St.Katharina. Diese aus einer Klosterschule entstandene Mädchensek gibt es im Ursprung seit mehr als 200 Jahren. Aktuell werden dort rund 160 Wiler Mädchen unterrichtet. Das jährliche Schulgeld kostet 20'000 Franken pro Mädchen. «Sozusagen gleich viel wie bei der öffentlichen Oberstufe», sagt Stadträtin und Schulratspräsidentin Jutta Röösli. In der Schulraumplanung muss sich der Stadtrat entscheiden, ob er die reine Mädchensek weiterhin anbieten will oder nicht. Beziehungsweise, ob das Kathi, wie die Schule im Volksmund genannt wird, künftig auch Realmädchen sowie Real- und Sek-Buben beschulen muss. Nach einem zweieinhalbjährigen Prozess mit vielen Involvierten ist der Stadtrat zum Schluss gekommen, dass ihm das zu kompliziert ist. Er will deshalb den Vertrag mit dem Kathi kündigen und in Zukunft keine ­geschlechtergetrennten Schulen führen.

Der Entscheid des Stadtrats ist mutlos und lässt jeglichen Innovationsgeist vermissen. Im Parlament wird das heftige Diskussionen auslösen – eine Volksabstimmung ist so gut wie sicher. Der Stadtrat muss endlich einsehen, dass die Mädchen ins Kathi wollen. Ihnen diese Schule nun wegzunehmen mit dem Argument der «Chancengerechtigkeit» und gleichzeitig zu beklagen, Frauen seien im Berufsleben benachteiligt, ist geradezu zynisch. Wil böte sich heute die Chance, Mädchen-, Knaben- und gemischte Schulen zu realisieren, die ausschliesslich das Wohl der Schülerinnen und Schüler zum Ziel haben. Das wäre innovativ. Doch dazu braucht es Innovationsgeist, Mut zum Risiko und die Bereitschaft, mehr leisten zu wollen, als nur den Standard zu erfüllen.

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