Kommentar

Kampf um die Bundesratssitze: CVP-Präsident Gerhard Pfister pokert hoch

Der CVP-Präsident muss es schon am Tag der Nationalratswahlen 2019 gewusst haben: Will er den Bundesratssitz 2023 behalten, muss er reagieren. Wie clever er das tut, verdeutlicht ein Bild des Parlaments.

Othmar von Matt
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CVP-Präsident Gerhard Pfister posiert an der Spitze des ganzen Parlaments. Als ob er sagen wollte: Die Mitte, das bin ich.

CVP-Präsident Gerhard Pfister posiert an der Spitze des ganzen Parlaments. Als ob er sagen wollte: Die Mitte, das bin ich.

ParlCH/Twitter (Bern, 25.9.2020)

CVP-Präsident Gerhard Pfister muss es schon am 20. Oktober 2019 gewusst haben, dem Tag der Nationalratswahlen: Will er den Bundesratssitz der CVP auch 2023 halten, muss er strategisch reagieren. Zwar blieb die CVP bei den Wahlen 2019 mit 11,4 Prozent erstaunlich stabil. Sie wurde aber von den Grünen (13,2 Prozent) überholt. Und schon damals war klar: Die grüne Welle ebbt nicht einfach ab.

Othmar von Matt.

Othmar von Matt.

Peter Schneider/Keystone

Also leitete Pfister zwei Dinge ein: erstens den Umbau der CVP zur Marke «Die Mitte». Mit der BDP an Bord. Dank ihr kann er in den grossen reformierten Kantonen ländliche Wähler von der SVP gewinnen. Zweitens gleiste er den Konkordanzgipfel auf, um über die Zauberformel zu diskutieren.

Es war hohe Schule, dass ausgerechnet der Präsident jener Partei alle Präsidenten an einen Tisch brachte, die nur noch auf Rang fünf liegt. Dass dann die SVP ihren eigenen Bundesrichter attackierte, kam ihm gelegen. Er zweifelte die Regierungsfähigkeit der SVP an. Sekundiert wurde er von SP-Präsident Christian Levrat. Auch das ist kein Zufall: Die SP bangt um ihren zweiten Sitz.

Der Machtpoker um die Bundesratssitze für die Wahlen 2023 ist in vollem Gang. Pfister pokert hoch. Wie clever er agiert, verdeutlicht ein Beispiel: Am 25. September wurde das neue Parlament auf einem Foto verewigt. Ganz zuvorderst steht Gerhard Pfister. Als ob er sagen wollte: Die Mitte, das bin ich. Wie er das schaffte? Er kam erst, als sich bereits alle positioniert hatten. Und stellte sich an die Spitze.