Kommentar

Jeder macht, was er will: Thurgauer, Appenzeller, St.Galler – spannt doch endlich zusammen!

Auch in der Coronakrise sind die Ostschweizer Kantone kaum zur Zusammenarbeit fähig. Die soeben frisch gewählten Kantonsregierungen haben es jetzt in der Hand, die Beziehungen neu zu starten.

Stefan Schmid
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Stefan Schmid, Chefredaktor.

Stefan Schmid, Chefredaktor.

Bild: Hanspeter Schiess

Die St.Galler Regierung ist seit Sonntag wieder komplett. Dank Beat Tinner, Susanne Hartmann und Laura Bucher kommt viel frischer Wind in die Exekutive.

Neu in der St.Galler Regierung: (v.l.) Laura Bucher, Beat Tinner und Susanne Hartmann.

Neu in der St.Galler Regierung: (v.l.) Laura Bucher, Beat Tinner und Susanne Hartmann.

Bild: Ralph Ribi

Bereits seit gut einem Monat wissen wir, welche fünf Personen künftig den Kanton Thurgau regieren werden. Hier muss man sich mit dem SVP-Mann Urs Martin nur ein neues Gesicht merken.

Mit der Neukonstituierung der beiden Exekutiven bietet sich eine schöne Gelegenheit, Gemeinsamkeiten neu zu entdecken. Thurgau und St.Gallen – und selbstredend auch die beiden Appenzeller Halbkantone – teilen denselben Lebens- und Wirtschaftsraum. Die Liste der gemeinsamen Interessen ist lang. Es wäre gelacht, würden sich die Kantone nicht in zentralen Fragen absprechen und vor allem: Prioritäten gegenüber Bundesbern definieren.

Die Chance zum Relaunch der Beziehungen ist günstig. Mit Urs Martin wurde im Thurgau ein Mann gewählt, der die Kooperation mit dem St.Galler Nachbarn als «absolut ungenügend» bezeichnet hatte.

Er sitzt neu im Thurgauer Regierungsrat: Urs Martin.

Er sitzt neu im Thurgauer Regierungsrat: Urs Martin.

Bild: Urs Bucher

Auf St.Galler Seite ist unter anderen auch der CVP-Frau Susanne Hartmann zuzutrauen, neue Brücken in den Thurgau schlagen zu können. Als bisherige Stadtpräsidentin von Wil weiss sie, wie diese Zusammenarbeit zur Erquickung aller funktioniert.

Dass es eines Neustarts der Zusammenarbeit bedarf, zeigen die Ereignisse dieser Woche: Weder in der Frage, wie der Lockdown beendet werden soll, noch in der Einschätzung, ob und wie Maturaprüfungen durchzuführen sind, herrscht Einigkeit. Im Gegenteil: Jeder macht, was er will. Dabei macht ein bildungspolitisches Jekami keinen Sinn. Und die Region hätte mehr Gewicht, wenn sie gegenüber dem Bund geeint aufträte.

Die Ostschweiz ist von der Pandemie weniger betroffen als andere Landesteile. Diese Ausgangslage böte die Chance, gemeinsam für eine rasche Rückkehr zur Normalität einzustehen. Eine Rückkehr, die Menschen und Unternehmen in der Region sehnlichst erwarten. Doch da war nichts. Jeder kämpft für sich. Es ist Zeit, dass sich das mit den neuen Regierungen ändert.

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