IMPFOFFENSIVE
Tiefe Impfquote im Appenzellerland – doch Alain Bersets 50-Franken-Impfgutschein fällt durch

Die Impfoffensive des Bundesrats stösst in den Appenzeller Kantonen auf Skepsis. Tenor: Noch mehr Druck aus Bern erhöhe nur den Widerstand in der Bevölkerung. Die Ostschweizer Kantone wollen sich am Montag koordinieren und eine gemeinsame Antwort nach Bern schicken.

Stefan Schmid
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Eine Covid-Impfung im Impfzentrum im Westcenter in St.Gallen.

Eine Covid-Impfung im Impfzentrum im Westcenter in St.Gallen.

Benjamin Manser

In der Schweiz sind aktuell gut 58 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Die so genannte Impfquote ist damit deutlich tiefer als in den meisten westeuropäischen Ländern.

Noch tiefer ist die Quote in der Ostschweiz. Am Ende der kantonalen Rangliste steht Appenzell Innerrhoden, wo nicht einmal ganz jeder Zweite vollständig geimpft ist.

Der Bundesrat ist mit den bisherigen Anstrengungen der Kantone unzufrieden und schlägt daher eine nationale Impfoffensive vor. Diese besteht primär darin, die Menschen mit weiteren Informationen zu versorgen und zu beraten. Laut «Sonntags-Blick» sollen 1700 Beraterinnen und Berater im ganzen Land die zögernde Bevölkerung von der Impfung überzeugen. Wenn nötig soll zu Hause geklingelt oder angerufen werden. Kostenpunkt: 150 Millionen Franken.

Weiter schlägt der Bundesrat einen 50-Franken-Impfgutschein vor. Diesen erhält, wer eine Person aus seinem Umfeld vom Gang ins Impfzentrum überzeugen kann.

Lukas Engelberger, der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren.

Lukas Engelberger, der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren.

Nicole Nars-Zimmer

Lukas Engelberger, der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz, begrüsst die Offensive des Bundesrats.

«Jede Impfung zählt, deshalb dürfen wir nichts unversucht lassen», sagt Engelberger in Interview mit der «Sonntags-Zeitung».

Das sieht man in der Ostschweiz anders. Oder zumindest im Appenzellerland, wo die Durchimpfungsrate besonders tief ist. Die Innerrhoder Gesundheitschefin Monika Rüegg-Bless sagt auf Anfrage: «Es ist nicht realistisch, alleine mit einer Informationskampagne die Impfquote in ländlichen Gebieten wie Innerrhoden noch deutlich zu steigern». Die Leute haben sich ihre Meinung gemacht. Noch mehr Druck von aussen erhöhe nur den Widerstand.

Innerrhoder Gesundheitschefin Monika Rüegg Bless.

Innerrhoder Gesundheitschefin Monika Rüegg Bless.

Gian Ehrenzeller

Die geplante Impfoffensive des Bundes hält Rüegg Bless daher nicht für zielführend.

«Wir haben in Innerrhoden viel gemacht, um die Menschen zu informieren.»

So habe ihr Kanton im letzten Dezember als erster schweizweit mit dem Impfen begonnen, und auch früh Walk-ins organisiert. «Wir haben getan, was uns in Innerrhoden zweckdienlich erscheint».

Der Ausserrhoder Gesundheitsdirektor Yves Noël Balmer.

Der Ausserrhoder Gesundheitsdirektor Yves Noël Balmer.

Arthur Gamsa

Auch der Ausserrhoder Gesundheitschef Yves Noël Balmer lehnt den 50-Franken-Gutschein ab: «Monetäre Anreize halten wir für einen falschen Weg». Im Unterschied zu seiner Innerrhoder Amtskollegin zeigt er für die Impfoffensive des Bundesrats jedoch mehr Verständnis. «Es ist richtig, weitere Fakten zu liefern und die Bevölkerung vertiefter zu informieren. Namentlich geht es auch darum aufzuzeigen, welche positiven Erfahrungen wir mit der Impfung in den letzten Monaten gemacht haben.» Balmer betont, dies sei vorerst seine persönliche Meinung. Die Regierung werde sich am Dienstag mit diesen Fragen befassen.

Der Thurgauer Gesundheitsdirektor Urs Martin und sein St.Galler Amtskollege Bruno Damann wollten sich auf Anfrage noch nicht zur Impfoffensive äussern. Sie wollten den Diskussionen mit ihren Regierungskolleginnen und Kollegen nicht vorgreifen.

So oder so: Am Montag treffen sich die Ostschweizer Gesundheitsdirektoren zum Austausch. Ziel sei es, eine gemeinsame Position zu finden und diese im Rahmen der Vernehmlassung nach Bern zu schicken. Der Bundesrat wird voraussichtlich am 13. Oktober definitiv entscheiden.

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