Leserbrief

Im Kreislauf von Preis und Kosten

Christoph Schlegel, Wittenbach
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Die Gewerkschaft Unia kritisiert in einer Stellungnahme die Bekennung «Wir produzieren in der Schweiz» der Bischoff Textil AG in Verbindung mit der Ankündigung, die Produktion in Fernost auszubauen, scharf.

Betrachtet man jedoch den Kontext der Konsumenten, ist für jedermann einfach feststellbar, dass in der Werbung oftmals der Preis vor die Funktionalität und Qualität des Produktes gestellt wird. Gerade zwei, erst seit ein paar Jahren im Schweizer Markt sich etablierende Grossverteiler setzen hierzu starke Akzente. Wenn folglich die Kunden – und das sind wir alle! – solche Produkte (wie zum Beispiel ein T-Shirt für 2.50 Franken im Multipack) kaufen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn bei deren Produktion Leute ausgebeutet werden (müssen). Jeder, der nähen kann, kann den Versuch, ein T-Shirt selbst zuzuschneiden und zu nähen, wagen und dabei die aufgewendete Zeit mit seinem persönlichen Stundenansatz verrechnen (dem Bruttolohn sind noch 15 Prozent Arbeitgeberbeitrag für Sozialleistungen hinzuzurechnen, um auf eine realistische Zahl zu kommen, wobei dabei nur die Herstellungskosten berücksichtigt sind).

Bei diesem Selbstversuch wird wohl jeder feststellen, dass er zu diesem Preis kein T-Shirt herstellen kann! Folglich müssen wir uns selbst die Frage stellen, schaufeln wir hier mit dieser Preispolitik nicht stetig an un- serem eigenen Grab? Alle durch die Gewerkschaften angestrebten und erreichten «Verbesserungen» und Annehmlichkeiten für die Arbeitnehmer haben auch die Kehrseite, dass sie Kosten generieren, welche schlussendlich über das Produkt finanziert werden müssen; womit sich der Kreis wieder schliesst, wer bezahlt dieses Produkt – wären Sie dazu bereit?