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Kolumne

Ich hab noch einen Koffer in . . .

Die Gastkolumne von Bernard Thurnheer über seinen Koffer, der manchmal recht getrennt reiste.
Bernard Thurnheer
Bernard Thurnheer ist eine SRF-Kommentatoren- und -Moderatoren-Legende, nicht nur für Sport: Tell-Star (1980–1991), Benissimo (1992–2012). Viermaliger Prix-Walo-Preisträger.

Bernard Thurnheer ist eine SRF-Kommentatoren- und -Moderatoren-Legende, nicht nur für Sport: Tell-Star (1980–1991), Benissimo (1992–2012). Viermaliger Prix-Walo-Preisträger.

«Das Meer sehen!» Das war in meiner Jugendzeit noch etwas ganz Besonderes. Am nächsten kam man ihm von der Schweiz aus in Italien oder Frankreich. Dank meiner frankophonen Mutter erlebte ich vier Jahre in Folge prachtvolle Ferien an der Côte d’Azur, die schon damals als besonders chic galt. Nizza, Monaco, Cannes, St. Tropez, diese Namen liessen die Herzen der Leserinnen und Leser der Illustrierten höher schlagen, denn dort wohnten die Schönen und Reichen, die Adligen und die Filmstars, Fürstin Gracia Patricia (vormals Grace Kelly), Sexsymbol Brigitte Bardot und viele andere.

Südfrankreich, das ich allen wärmstens für einen Besuch empfehle, kommt hier wegen eines ganz anderen Themas zur Sprache. Wo viele Flugpassagiere hinreisen und womöglich auch nur umsteigen, da bleibt manch ein Gepäckstück auf der Strecke.

«Ich hatte diesbezüglich in meinem Leben Glück», liess ich letzthin in einer Diskussion fallen, bei nachträglichem, etwas intensiverem Nachdenken, kamen mir dann aber doch erstaunlich viele Episoden in den Sinn, bei denen ich vergebens auf meinen Koffer gewartet hatte.

Verloren gegangenes Gepäck: Täglich um 17 Uhr

Von Zürich via Lyon (statt Paris) nach Montpellier zu fliegen, erwies sich trotz der viel kürzeren Strecke als keine so gute Idee. Beim Umsteigen kam das Gepäck nicht mit. Wann würde es wohl nachgeliefert? Morgen oder übermorgen antwortete man mir im Hotel in höchst routinemässigem Tonfall. Das verloren gegangene Gepäck würde täglich um 17 Uhr geliefert. Dies schien hier der Normalfall zu sein.

Auch in Sidney wartete ich einst vergebens auf meinen Koffer. Auf dem Rollband drehte lediglich einer mit einem auffälligen regenbogenfarbenen Elastband noch seine Runden. Ganz spät wurde mir klar: Das war meiner, ramponiert und von einer hilfreichen Seele mit einem auffälligen Band zusammengehalten. Beim Weiterflug ins australische Landesinnere empfahl mir die Reiseleitung genügend Flüssigkeit im Handgepäck mitzunehmen. Die würde mir doch bestimmt bei der Sicherheitskontrolle abgenommen? «Wieso, machen Sie Witze?» Merke: Die Flugsicherheits-Paranoia hat Australien noch nicht erreicht.

Dafür die USA. Dort erhielt ich meinen Koffer aufgebrochen zurück, mit dem Hinweis, ich sei selber schuld, dass ich ihn abgeschlossen hätte, er müsse für Stichproben immer offen sein. Später dann, auf der gleichen Reise, in der Südsee dann die Ermahnung: «Sind Sie wahnsinnig, ihren Koffer offen zu lassen? Wie leicht könnte da jemand Drogen darin deponieren!» Merke: Andere Länder andere Sicherheitssitten.

In San Francisco nahm man mir eine DNA-Probe ab. In meinem Rucksack befand sich nämlich ein Schweizer Sackmesser in einer der Aussentaschen. Das musste schon lange da gelegen haben, denn ich erinnerte mich nicht mehr an dessen Besitz. Vor allem aber hatte es vorher an zwei anderen Flughäfen die Sicherheitskontrollen anstandslos passiert! Wie sicher sind eigentlich Sicherheitskontrollen?

Wenn der Koffer zu lange braucht, gibt die Folie ihren Dienst auf

Dumm war, als ich via Frankfurt einst an einem Samstag nach Äthiopien flog. Die nächste Maschine, dann hoffentlich mit meinem Gepäck, würde erst am Montag landen. Da wollte ich längst 800 Kilometer weiter sein!

Es geht aber noch schlimmer: Einer meiner Reporterkollegen wollte seine Frau zu Hause mit saftigen argentinischen Steaks überraschen und packte das Fleisch deshalb in eine Frischhaltefolie ein, bevor er es zuunterst in seinem Koffer verstaute. Bedauerlicherweise brauchte der bis Zürich rund fünf Wochen! Vorsichtig formuliert hatte da die Folie ihren Dienst schon längst eingestellt . . .

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