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Kommentar

Hinter dem Mond

Über sechs Jahrzehnte haben sich Familienmitglieder, die die innerkoreanische Grenze voneinander trennt, nicht sehen können. Die emotionalen Bilder bei den staatlich organisierten Zusammenführungen machen deutlich, wie radikal die Abschottung ist. Nicht einmal im getrennten Deutschland war die Isolation derart heftig.
Angela Köhler, Tokio
Angela Köhler

Angela Köhler

Es ist für einen normalen Mitteleuropäer unfassbar, was Menschen in Korea erleiden müssen: mehr als 65 Jahre kein Lebenszeichen von Verwandten auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs zu haben. Viele wissen nicht, wie sie leben und zumeist sogar, ob überhaupt noch. Gelegentliche Zusammenführungen, wie es sie in dieser Woche wieder gibt, sind noch lange keine Normalität.

Sie sind eher ein Symbol dafür, wie brutal die koreanische Separation verläuft. Eine solche Isolation hat es selbst im geteilten Deutschland nie gegeben. Bundesdeutsche fuhren wie selbstverständlich auf Transitstrecken durch und in die DDR. Ostberlin liess wenigstens Rentner frei reisen, es gab Telefonkontakte, Briefe und Päckchen. Ostdeutsche informierte sich im Westfernsehen oder -radio. Westberliner bemalten von ihrer Seite die Mauer. Ähnliches würde an Koreas Staatsgrenze unweigerlich mit dem Tod enden.

Zwar liess auch die DDR-Führung auf «Republikflüchtlinge» schiessen, aber sie liess ihre Staatsbürger wenigstens nach Ungarn, Bulgarien oder Polen reisen, wo sie Verwandte treffen konnten. Das geschah alles fernab jeder Normalität, aber es war so unendlich viel mehr als der heutige Zustand in Korea und was dort auch auf absehbare Zeit erreichbar scheint. Für die meisten Koreaner leben engste Angehörige deshalb nicht nur in einem anderen Land, sondern hinter dem Mond.

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