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Kommentar

Haben Sie Mut, Heidi Hanselmann! Niemand wird ohne Regionalspital sterben müssen

Das St.Galler Kantonsparlament bewilligt fast zehn Millionen Franken, um den Betrieb der Spitäler Wattwil und Wil bis Ende 2020 zu garantieren. Das zeigt: Es gibt zu viele Spitäler in der Ostschweiz. Die Regierung muss deshalb den Bruch mit der bisherigen Strategie wagen.
Stefan Schmid
Stefan Schmid, Chefredaktor. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Schmid, Chefredaktor. (Bild: Benjamin Manser)

Die Nerven in der st.gallischen Spitalpolitik liegen blank. FDP und SVP schiessen gegen SP-Gesundheitschefin Heidi Hanselmann, die sie – wahlbedingt - zum Sündenbock machen wollen. Die SP versucht nach Kräften dagegenzuhalten. Dazwischen verfolgt die CVP ihre eigene Agenda. In einem eidgenössischen Wahljahr – und ein gutes halbes Jahr vor den kantonalen Erneuerungswahlen nichts Aussergewöhnliches. Die Politmanöver könnten uns kalt lassen, ginge es nicht um unsere Gesundheitsversorgung.

Mehrere Landspitäler stehen finanziell auf der Kippe. Ihre Situation ist brenzlig. Das Volk hat 2014, angefeuert von fast allen Parteien und der Regierung, einen teuren Fehlentscheid gefällt. Die damalige Strategie mit der flächendeckenden spitalischen Grundversorgung, die es zu erhalten und baulich zu renovieren gelte, ist ein Flop. Das zeigt sich in diesen Monaten, in welchen Notkredite gesprochen werden müssen, um das Überleben einzelner Betriebe zu garantieren.

Die Misere hat mehrere Ursachen. Eine aber ist zentral: Die St.Galler Spitäler haben ein strukturelles Problem, wie Finanzchef Benedikt Würth zu recht festhält. Die medizinische Überversorgung ist offensichtlich. Alleine im Dreieck Rorschach-Wil-Wattwil kämpfen auf maximal 37 Kilometer Luftlinie Entfernung sieben öffentliche Spitäler um Patienten: Rorschach, Heiden, St.Gallen, Herisau, Flawil, Wattwil und Wil. Weiter westlich stehen in Frauenfeld und Winterthur nochmals bestens ausgestattete Häuser, die es zu füllen gilt. Hinzu kommen Private wie die Kliniken von Hirslanden und Berit, die am wachsenden Kuchen partizipieren wollen. Das ist – gerade auch im internationalen Vergleich – eine einmalige Spitaldichte.

Spitäler machen mehr als ein Drittel der Gesundheitskosten aus. Längst ist erwiesen, dass zu tiefe Fallzahlen bei heiklen Operationen eine Gefahr für die Sicherheit der Patientinnen sind. Steuer- und Prämienzahler berappen zuerst teure Ausrüstungen, die später ausgelastet werden wollen. Die Kostenspirale dreht sich munter. Eine Reduzierung der Anzahl Standorte ist deshalb unausweichlich.

Im St.Galler Regierungsrat für die Spitalpolitik zuständig: Heidi Hanselmann. (Bild: Urs Bucher)

Im St.Galler Regierungsrat für die Spitalpolitik zuständig: Heidi Hanselmann. (Bild: Urs Bucher)

Gebannt richten sich die Blicke auf die Kantonsregierung. Diese konnte sich bisher bequem hinter dem bösen Verwaltungsrat des Spitalverbunds verstecken, der die Botschaft von der Schliessung der Spitäler Flawil, Rorschach, Walenstadt und Wattwil vortragen durfte. Nach monatelangen Abklärungen in stillen Hinterzimmern ist es Ende Oktober soweit. Die Regierung will ihre Spitalstrategie präsentieren.

Auch wenn der Moment ein halbes Jahr vor den Wahlen gewiss nicht günstig ist: Die Zeit der Pflästerlipolitik muss vorbei sein. Der Kanton St.Gallen hat sich mit seiner Spitalstrategie geirrt. Lieber eine späte Einsicht, als gar keine. Es ist selbst in unseren wohlhabenden Gegenden nicht mehr möglich, jedem Täli sein Spitäli zu finanzieren. Gefragt sind innovative Lösungen – regionale Ambulatorien, kombiniert mit Notfallstationen. Was nicht mehr geht, ist die Fortsetzung der bisherigen Luxuslösungen.

Haben Sie Mut, Heidi Hanselmann. Mut zu einem Bruch. Mut zur Wahrheit. Kuschen Sie nicht vor den Stimmbürgern, die über zu hohe Krankenkassenprämien jammern und gleichzeitig für ihr Regionalspital auf die Strasse gehen. «Sparen sollen immer die anderen», das ist keine Lösung. Niemand wird im Toggenburg oder in Flawil sterben müssen, weil er kein Spital mehr vor der Haustüre hat. Schwere Fälle, etwa Patienten mit Kreislaufproblemen, müssen ohnehin direkt ins Zentrumspital nach St.Gallen eingeliefert werden – mit dem Helikopter notabene.

Es käme teuer zu stehen, täte der grösste Ostschweizer Kanton weiterwursteln, als gäbe es keine Millionendefizite. Das Signal, das mit der Schliessung eigener Spitäler ausgesandt wird, dürfte nicht zuletzt auch die Bereitschaft der Nachbarn erhöhen, Hand zu bieten für eine gemeinsame, gesamtostschweizerische Spitalplanung. Es ist nicht zu früh dafür.

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