Kommentar

Gut gebrüllt, CVP!

Christian Ineichen attackiert mit seinen Aussagen Grünlinks - und kassiert dafür Kritik. Im lauten Politgeschäft gehört das aber hin und wieder dazu.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu.

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«CVP-Präsident attackiert Linke» – die Schlagzeile fasste die Wahlanalyse von Christian Ineichen treffend zusammen. Der Präsident der grössten Luzerner Kantonalpartei wirft im CVP-Parteiblatt Grünlinks vor, «ohne Leistungsausweis» die Wahlen vom 31. März gewonnen zu haben. Sie hätten den Nährboden für den Erfolg mit Verschlagenheit und Diskussionsverweigerung gelegt. Für diese pointierte Haltung setzt es, wenig überraschend, Kritik. Aber auch Support von höchster Stelle: vom nationalen Parteipräsidenten und Zuger Nationalrat Gerhard Pfister.

Die SP kontert sogleich: Als Wahlverlierer solle man besser überlegen, was falsch gelaufen sei, und sich aus der Geiselhaft der SVP befreien. «Oder man kann natürlich rumpöbeln und dem politischen Gegner die Schuld geben. Das wäre dann die Methode Ineichen.» Nun, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Das, was die SP dem CVP-Präsidenten vorwirft, macht sie nämlich selber systematisch: Rhetorisch rumpöbeln und voll auf die Gegner zielen.

Im Wettbewerb der Ideen wird es hin und wieder laut, provozierend und ja, auch sehr konfrontativ. Das ist Teil des Politgeschäfts. Wenn sich also der Chef derjenigen Partei markig positioniert, der man regelmässig eine unklare Haltung vorwirft, dann darf man auch mal festhalten: Gut gebrüllt, CVP! Entscheidend ist, dass die Polterei nicht zum Selbstzweck wird. Es gilt das Primat der Sachlichkeit. (Auch dies hat Ineichen betont.) Und es braucht die Grösse, abweichende Meinungen in den eigenen Reihen zuzulassen. Auch hier taugt das Beispiel CVP: Trotz Stimmfreigabe für die Luzerner Regierungsratswahl, macht sie kein Aufheben, wenn Parteiexponenten für die eine oder die andere Kandidatur öffentlich einstehen.