Gratisbier für das Stimmcouvert:
Die Rorschacher Jungfreisinnigen haben alles richtig gemacht

Die politischen Gegner wittern Wahlbetrug. Und Suchtexperten warnen vor Alkoholexzessen. Die Bieridee der Rorschacher Jungfreisinnigen ist ein schöner PR-Coup.

Stefan Schmid
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Stefan Schmid

Stefan Schmid

Hanspeter Schiess

Die Jungfreisinnigen der Region Rorschach haben alles richtig gemacht. Ihre Aktion, jede Abgabe eines Wahlcouverts mit Freibier zu belohnen, ist ein Erfolg.

Primär natürlich auf der kommunikativen Ebene. Anstatt von den Grünen oder der SVP spricht man von den Jungfreisinnigen. Einen entscheidenden Anteil daran haben die politischen Gegner von SP und Grünen. Ihren teils heftigen Reaktionen («orchestriertes Wahlbesäufnis», «Wahlbetrug») haben die Jungfreisinnigen die schöne Medienpräsenz zu verdanken. Was will man als Partei kurz vor dem Wahlsonntag mehr?

Zweitens war der Aktion auch inhaltlich ein kleiner Erfolg beschieden: Immerhin 26 Personen haben ihr Stimmcouvert – verschlossen – in die Kornhausbräu gebracht und so einen Beitrag zu einer höheren Stimmbeteiligung geleistet.

Juristisch gibt es an der Aktion nichts zu bemäkeln, hält die St. Galler Staatskanzlei fest. Man glaubt es ihr gern. Warum auch soll die freiwillige Abgabe verschlossener Couverts ein Problem darstellen?

So originell die Bieridee sein mag, ihr Hintergrund ist ein ernsthafter. Die Stimmbeteiligung der jüngeren Generationen ist bedenklich tief. Anstatt wild auf die Jungfreisinnigen einzuprügeln, täten alle Parteien gut daran, sich gemeinsam zu überlegen, wie die Jungen besser involviert werden könnten. Ob mit oder ohne Bier ist Nebensache.

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