Kommentar

Fall Stach: Gierige Anwälte gehören nicht in den Unirat

Der St.Galler Rechtsanwalt und Unirat Patrick Stach hat einer Klientin viel zu hohe Rechnungen gestellt. Es wäre allen gedient, würde er sein Amt im obersten Führungsgremium der HSG möglichst rasch abgeben. 

Stefan Schmid
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Stefan Schmid

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Hanspeter Schiess

Es ist die Geschichte der Woche aus Ostschweizer Sicht: Der St. Galler Anwalt Patrick Stach wird vom Bundesgericht zu einer Busse von 10000 Franken verurteilt. Er hat einer Klientin krass übersetzte Honorarforderungen gestellt und mit ihr eine unzulässige Honorarvereinbarung getroffen.

Er verlangte 20 Prozent ihres Erbes. Stach beging damit laut Bundesgericht in Lausanne einen erheblichen Gesetzesverstoss. Das Gericht bestätigte frühere Urteile der St. Galler Anwaltskammer und des Verwaltungsgerichts, die zum gleichen Schluss gekommen waren.

Habgier und Uneinsichtigkeit kommen überall vor. Anwälte sind nicht die besseren Menschen, nur weil sie sich beruflich ums Recht kümmern. Für die vielen Anwältinnen und Anwälte, die korrekt arbeiten, ist der Fall Stach dennoch ärgerlich. Er wirft ein schiefes Licht auf einen Berufsstand, an welchen in Sachen Moral zu Recht hohe Ansprüche gestellt werden. Ein Anwalt, der Klienten abzockt, geht gar nicht.

Der Fall Stach wäre indes kaum eine Zeile wert, handelte es sich beim Betroffenen nicht um ein Mitglied des Universitätsrats der Hochschule St. Gallen (HSG). Als solcher ist Stach von Amtes wegen eine Person des öffentlichen Interesses.

Die elf Uniräte werden vom Kantonsrat gewählt. Sie überwachen das Rektorat und bilden damit das höchste Organ der Universität.

Stachs Behauptung, seine Anwaltstätigkeit habe mit dem Amt nichts zu tun, ist absurd.

Selbstverständlich ist es relevant, wenn ein Unirat, der für das korrekte Funktionieren der angesehenen Bildungsinstitution auf dem Rosenberg zuständig ist, in seinem Beruf krumme Geschäfte macht.

Anwälte, die Standesregeln verletzen und krass überhöhte Honorare kassieren, sind gewiss wenig geeignet, die Universität zu kontrollieren. Für die HSG ist der Fall umso ärgerlicher, als sie selber in jüngster Vergangenheit wegen diverser Spesenskandale in die Negativschlagzeilen geraten war. Und nun muss sie sich auch noch mit einem geldgierigen Unirat herumschlagen, der von drei Instanzen verurteilt wurde.

Es ist deshalb schwer nachvollziehbar, dass die St. Galler Regierung im Interesse der HSG nicht sofort die Reissleine gezogen und Patrick Stach als Unirat zum raschen Rücktritt gedrängt hat. Stattdessen will die Regierung das Urteil vertieft studieren – als würde dieses nicht schon nach einmaliger Lektüre Bände sprechen. Selbstverständlich hat Patrick Stach weiterhin die Möglichkeit, freiwillig zurückzutreten. Er würde damit allen, nicht zuletzt wohl auch sich selber, einen grossen Gefallen tun.  

Nach der Neubestellung des Kantonsrats am 8. März muss dieser im Sommer auch den Unirat neu wählen. Ein Blick auf die Zusammensetzung dieses erlauchten Gremiums zeigt: Da sitzen ein bisschen gar viele Ostschweizer in der Führungsetage, die sich alle sehr gut kennen. Nähe kann ein Vorteil sein. Die regionale Verankerung der Uni ist wichtig. Doch zu viel Nähe wiederum birgt die Gefahr, unangenehmen Themen aus dem Weg zu gehen.

Vor allem aber spiegelt die ausschliesslich regionale und parteipolitisch korrekte Zusammensetzung des Universitätsrats nicht den Anspruch der HSG, eine internationale führende und auf hohem Niveau agierende Bildungsstätte zu sein. Ein bisschen mehr internationales Flair und akademische Professionalität schadete dem obersten Unigremium gewiss nicht.

Das Problem ist erkannt. Das neue Unigesetz, das derzeit von Bildungschef Stefan Kölliker ausgearbeitet wird, sieht eine Verkleinerung und Entpolitisierung des Unirats vor. Zudem soll neu die Regierung und nicht mehr der Kantonsrat das Gremium wählen. Der Fall Stach kommt so betrachtet im richtigen Moment. Er wird jene Kräfte bestärken, die mit dem neuen Universitätsgesetz zu einem Sprung nach vorne ansetzen wollen. Raus aus dem lokalpolitischen Mief, hinein in eine professionellere Zukunft.

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