Gerichtsurteil
Pierre Maudet verlor mit seiner L'Etat-C'est-Moi-Haltung die Bodenhaftung

Die Genfer Justiz hat ihr Urteil gefällt. Der Regierungsrat ohne Befugnisse hat sich wegen seiner Abu-Dhabi-Reise 2015 der Vorteilsannahme schuldig gemacht. Der Richterentscheid ist nachvollziehbar.

Benjamin Weinmann aus Genf
Benjamin Weinmann aus Genf
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Pierre Maudet vor Gericht.

Pierre Maudet vor Gericht.

Frederic Bott / KEYSTONE

Manche mögen Pierre Maudet als ein Opfer seiner selbst bezeichnen. Seines rasanten Aufstiegs an die Spitzen der Macht. Seines Charmes, dem viele Wähler, Politiker und Journalisten erlagen. Seiner starken Überzeugung, stets im Interesse Genfs zu handeln. Mit der Folge, dass es ihm an kritischem Widerspruch fehlte.

Doch in der Abu-Dhabi-Affäre ist Pierre Maudet nicht Opfer, sondern Täter. Zu diesem Schluss ist auch die Genfer Justiz gekommen, die ihn wegen Vorteilsannahme erstinstanzlich verurteilt hat. Im Zuge seiner steilen Karriere, die 2017 beinahe in der Wahl zum Bundesrat gipfelte, verlor der heute 42-Jährige mit seiner L’Etat-C’est-Moi-Haltung die Bodenhaftung.

Der Anschein der Käuflichkeit

Maudet glaubte, stärker als die Regeln zu sein und mit einer Lüge kritische Fragen zu seiner Luxusreise, die von der Regierung Abu Dhabis bezahlt wurde, aus dem Weg räumen zu können. Dass er trotz Zweifeln die Reise mit hohem Spassfaktor samt Familie antrat, zeugt nicht bloss von fehlendem Risiko-Bewusstsein, sondern gar von einem mangelnden Sensorium für Korruption.

Maudet betonte stets, dass auch Politiker Fehler machten. Damit hat er Recht. Doch was belastend hinzukommt, ist die Uneinsichtigkeit, mit der sich der Ex-FDP-Politiker verteidigte. Er sei nicht beeinflussbar, da er einen starken Charakter habe, meinten er und seine teuren Anwälte. Doch diese Einschätzung ist subjektiv und ein Zeichen seiner Selbstüberhöhung. Es reicht, dass Maudet mit der Annahme der Reise den Anschein von Käuflichkeit erweckte.

Nachdem Pierre Maudet politisch bereits einen Grossteil seiner Glaubwürdigkeit verloren hat, muss er nun auch auf juristischer Ebene eine Niederlage einstecken. Doch anstatt eine Pause einzulegen und Gras über die Affäre wachsen zu lassen, kandidiert er dieser Tage als sein eigener Nachfolger für den Regierungsrat. Auch hier täte dem einstigen Polit-Wunderkind mehr kritischer Widerspruch gut.