Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kolumne

Genau so vergrault man Kunden

Ä soo gsee
Philipp Zurfluh, Redaktor
Philipp Zurfluh, Redaktor Urner Zeitung. (Bild: Florian Arnold)

Philipp Zurfluh, Redaktor Urner Zeitung. (Bild: Florian Arnold)

Es ist Freitagabend, die Vorfreude ist riesig: In Luzern tritt das Schweizer Cabaret-Duo Divertimento auf – und ich bin live dabei. So lange habe ich mich gedulden müssen, um die Stars der Komikerszene mal persönlich zu erleben. Bis dahin bleibt mir noch etwas Zeit. Mein Magen knurrt. Ich muss mich unbedingt noch verköstigen. Kulinarisch mal etwas Neues ausprobieren, kommt bei mir die spontane Idee auf. Etwas nicht Alltägliches, darauf habe ich jetzt Lust. Meine charmante Begleitung und ich entscheiden uns für ein kleines Selbstbedienungsrestaurant in der Stadt Luzern, das auf veganes Essen spezialisiert ist.

Ich bin gespannt, meine Erwartungen sind hoch. Doch um etwas gleich vorweg zu nehmen: Meine Hoffnungen werden enttäuscht. Wir betreten die Gaststätte. «Hallo zusammen, ich heisse ... Wie ist denn euer Name?», begrüsst uns sogleich der Gastgeber, schüttelt uns die Hand und sucht sofort das Gespräch. Ich bin überrascht, so freundlich und zuvorkommend wurde ich selten willkommen geheissen bei einem Restaurantbesuch.

Irgendwie beschleicht mich aber ein komisches Gefühl. Die zuvorkommende Art scheint mir etwas gar dick aufgetragen. Und tatsächlich: Mein Bauchgefühl hat mich nicht getäuscht. «Nur vegane Ernährung ist gesund, alles andere macht uns krank!», sprudelt es aus dem Gastgeber heraus. Und so geht es minutenlang weiter. Worauf habe ich mich nur eingelassen? Er spricht weiter. Meine Begleitung verdreht die Augen. Er spricht weiter. Warum lässt er uns nicht einfach essen? Er spricht weiter.

Nicht, dass ich etwas gegen veganes Essen hätte. Doch die Worte unseres Gesprächspartners klingen für uns einfach zu fanatisch. Natürlich kann man eine Lebens- und Ernährungsweise für gut empfinden, die ohne tierische Produkte auskommt. Was mich aber tierisch nervt, sind die oberlehrerhaften, für sich beanspruchte Wahrheiten. Es dauert 15 Minuten, bis uns schliesslich erlaubt ist, am Buffet anzustehen und uns ein Menü zusammenzustellen. Wie es denn geschmeckt hat? Mässig.

«Die Rechnung bitte!», rufe ich etwas später. Doch just in diesem Moment kommen zwei Gäste zur Tür hinein. Was folgt, können Sie sich denken. Das ganze Geschwafel nochmals von vorne. Meine Geduld neigt sich dem Ende zu. Soll ich mich beschweren? Meine Besonnenheit hält mich schliesslich davon ab. Nach einer gefühlten Stunde – okay, sagen wir 15 Minuten – können wir bezahlen. Endlich! Einfach so schnell wie möglich weg, so mein Gedanke.

Behandelt man so den Kunden, als wäre er der wichtigste Gast? Oder in Gastronomen-Sprache: Ist so der Kunde König? Nur so viel: Meine Gemütslage war im Keller und der Magen knurrte noch immer. Trotzdem nahm der Abend einen versöhnlichen Schluss: Der Auftritt von «Divertimento» war nicht zu toppen. Und falls den Komikern die Ideen ausgehen sollten: Im veganen Restaurant werden sie bestimmt fündig.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.